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Evangelische Kirche schickt ein Schiff! 


Auf einer Veranstaltung des evangelischen Kirchentags mit dem Namen “Gemeinsam für offene Häfen in Europa” verkündete der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, dass die Evangelische Kirche ein Rettungsschiff ins zentrale Mittelmeer schicken wird. Das finden wir großartig! Ebenfalls erinnerte die SEEBRÜCKE (Klick mich) mit der Aktion “Jeder Mensch hat einen Namen” auf dem Evangelischen Kirchentag an alle Menschen, die in den letzten Jahren bei der Flucht über das zentrale Mittelmeer ihr Leben verloren haben. Riesengroße Banner mit den Namen der Verstorbenen wurden am Kirchturm der St. Reinoldi Kirche Dortmund aufgehängt, um ein Zeichen der Solidarität mit den Verstorbenen zu setzen. Wir machen weiter, bis das Sterben endlich aufhört!

 

🚢12.7.2019

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Palermo-Appell für Seenotrettung und solidarische Aufnahme

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat auf Sizilien die Crew der Sea-Watch 3 besucht und den Seenotretter_innen für ihre Arbeit gedankt. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, fordert Bedford-Strohm im Palermo-Appell eine staatliche Seenotrettung, einen europäischen Verteilungsmechanismus und das Ende der Kriminalisierung der Retter_innen.

Auszug aus dem Appell:

Gemeinsam mit vielen Verantwortlichen aus Kommunen, Kirchen und der Zivilgesellschaft meinen wir:

1. 2019 darf nicht zu einem verlorenen Jahr für die Seenotrettung im Mittelmeer werden.
2. Die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung muss ein Ende haben. Jetzt!
3. Seenotrettung muss auch eine staatliche Aufgabe bleiben. Was ist aus der europäischen Seenotrettung geworden? Deutschland sollte hier ein Zeichen setzen und Schiffe entsenden!
4. Wir brauchen noch in diesem Sommer eine politische Notlösung, einen vorübergehenden Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge. Viele Städte und Kommunen in Europa wollen „Sichere Häfen“ sein! Lassen wir das Realität werden!
5. Wir brauchen in der EU eine „Koalition der Willigen“, die jetzt handelt. Und eine zukunftsfähige Migrationspolitik entwickelt. Denn Menschen ertrinken lassen oder in die Lager Libyens zurückschicken, kann keine Option für Europa sein.

Palermo-Appell vom 3. Juni 2019

Diesen Appell unterstützen mit einem Video die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Ruprecht Polenz (CDU), Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Gesine Schwan (SPD), Aktivist_innen von SeaWatch und Seebrücke sowie Geistliche aus Deutschland und Schweden.

 

Hier mehr zum Engagement der Kirche für Seawatch

... klick mich

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Gemeinsame Pressemitteilung
05.06.2019

Was unternimmt Kirche gegen das Sterben auf dem Mittelmeer?

Sea-Eye und Sea-Watch danken den Kirchen mit gemeinsamer Initiative
Die Crew der "Alan Kurdi" rettete im April den nigerianischen Jungen Emanuel (4). Ohne die Spenden der Kirchen hätte diese Mission nicht stattfinden können Emanuel wäre verschwunden. (Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org) >> Mehr Fotos und Videos <<

Was tun die Kirchen gegen das Sterben auf dem Mittelmeer?

Sea-Eye und Sea-Watch danken den Kirchen mit gemeinsamer Initiative
Regensburg, Berlin, Valletta, Rom
Der Ratsvorsitzende der EKD Heinrich Bedford-Strohm, besucht das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" in Italien und fordert erneut eine politische Notlösung für die flüchtenden Menschen, die u.a. von Sea-Watch und Sea-Eye auf dem offenen Meer gerettet werden. Immer wieder bekennen sich die christlichen Kirchen Deutschlands, klar und unmissverständlich, zu den zivilen Seenotrettern. Sie fordern laut das Ende der Kriminalisierung der Hilfsorganisationen  und spenden u.a. auch für die Suchflugzeuge und Rettungsschiffe von Sea-Eye und Sea-Watch. 

So unterstützte das Mennonitische Hilfswerk die Organisation Sea-Eye e.V. bereits mit mehr als 50.000€, innerhalb der vergangenen 2 Jahre. Das Suchflugzeug Moonbird wurde von der EKD mit 100.000€ gefördert. „Mehr als 1000 Menschen wären mit Sicherheit tot, hätte unser Flugzeug sie nicht in letzter Sekunde entdeckt. Dieser Einsatz wäre ohne die Unterstützung der Kirche nicht möglich gewesen, dafür sind wir dankbar!“ sagt Johannes Bayer, Vorsitzender von Sea-Watch e.V. Die Diözese München-Freising unterstützte die Rettungseinsätze der "Alan Kurdi" von Sea-Eye im Januar mit 50.000€. „Ein christliches Bekenntnis, das der Katastrophe, die tagtäglich auf dem Mittelmeer geschieht, tatenlos zuschaut, ist nicht glaubwürdig. So lange es Menschen gibt, die sich in ihrer Not und Verzweiflung auf den Weg über das Mittelmeer machen, ist unser Auftrag Barmherzigkeit.“sagte Kardinal Reinhard Marx im Januar 2019 zur Spende an Sea-Eye e.V.

Insgesamt erhielt Sea-Eye im laufenden Jahr bereits 190.000€ aus dem Raum der deutschen Kirchen, als Reaktion auf die unterschiedlichen Hilfegesuche der Regensburger Seenotretter. „Ohne die verschiedenen Kirchen, wären in diesem Jahr keine Rettungseinsätze möglich gewesen. Würden europäische Regierungen die Menschenrechte genauso ernst nehmen, wie Kirche die Botschaft der Bibel, wären wir vermutlich überflüssig.“ Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V. 

Die Kirchen sind ein wichtiger Bündnispartner für beide Hilfsorganisationen geworden. Die Organisationen haben deshalb die Initiative "Kirche rettet" ins Leben gerufen, um dieses kirchliche Engagement sichtbar zu machen, um danke zu sagen und fortlaufend über kirchliches Engagement zu berichten. Die Spenden aus dieser gemeinsamen Kampagne kommen vier Hilfsorganisationen zu Gute. Dazu gehören neben den Initiatoren auch dasAlarmPhone und Solidarity at Sea.
Kirche-rettet.de

Deutsche Helfer im Mittelmeer"Ohne die Kirchen könnten wir nicht mehr retten"

Hilfsbedürftige Menschen an Bord, kein Hafen nimmt sie an: In dieser Situation befindet sich die deutsche Crew der "Alan Kurdi", dem derzeit einzigen Seenotrettungsschiff auf dem Mittelmeer. Deren Sprecher schildert, warum der Helferjob immer schwieriger wird.

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Ein Interview von 

Gerettete Migranten an Bord der "Alan Kurdi" (03.04.2019)

Gerettete Migranten an Bord der "Alan Kurdi" (03.04.2019)

Als einziges privates Schiff hilft die deutsche "Alan Kurdi" derzeit schiffbrüchigen Flüchtlingen. Vor der libyschen Küste hat die Crew 64 Menschen retten können, darf aber keinen italienischen oder maltesischen Hafen anlaufen. Vor allem Italiens Innenminister Matteo Salvini macht Stimmung gegen die deutschen Seenotretter. Sein Kommentar: "Soll sie doch nach Hamburg fahren."

Im Interview spricht Sea-Eye-Vorstand Gorden Isler über die Situation an Bord, die Kooperation mit der libyschen Küstenwache - und er erklärt, warum seine Organisation plötzlich Probleme hat, die Missionen zu finanzieren.

Zur Person
  • Gorden Isler, Jahrgang 1982, ist Sprecher von Sea-Eye. Die Organisation ist seit April 2016 vor der libyschen Küste im Rettungseinsatz. Isler fährt hin und wieder selbst auf Missionen mit.

SPIEGEL ONLINE: Herr Isler, wie ist die Situation an Bord?

Gorden Isler: Schlecht. Die Menschen frieren, ihre Kleidung ist durchnässt. Viele sind seekrank. In den vergangenen Tagen hatten wir zwei medizinische Notfälle: Eine junge Frau aus Nigeria litt unter Bewusstseinsstörungen, ihr Kreislauf kollabierte. Eine andere schwangere Nigerianerin hatte einen epileptischen Anfall. Die maltesische Armee musste beide Frauen evakuieren.

SPIEGEL ONLINE: Unter den Geretteten befinden sich zwei Familien mit kleinen Kindern. Italien hatte angeboten, die Kinder und Mütter in Italien an Land zu lassen. Die Männer hätten aber an Bord bleiben müssen. Wie haben Sie reagiert?

Isler: Es gibt keinen einzigen plausiblen Grund, die Familien zu trennen. Wenn die Frauen und Männer in unterschiedlichen Ländern Asyl beantragt hätten, wären die Familien vermutlich sogar für längere Zeit getrennt worden. Wir haben die Familien schließlich selbst gefragt. Und die haben sehr schnell entschieden, dass sie zusammen an Bord bleiben wollen. Es war eine schwierige Situation.

SPIEGEL ONLINE: Ende März hat die Europäische Union den Marineeinsatz vor der libyschen Küste beendet. Was bedeutet das für Sea-Eye?

Isler: Es ist niemand mehr da, der uns helfen könnte. Vor allem, wenn wir mal ein großes Boot mit vielen Menschen retten, wird es eng. Ob Flüchtlinge, die auf die Boote der Schlepper gehen, leben oder sterben, ist nun endgültig eine Frage des Glücks. Während der aktuellen Mission haben wir Notrufe von einem Boot gehört, das nie gefunden wurde. Und die Menschen werden weiter aus den libyschen Folterlagern fliehen - auch wenn die EU-Schiffe nicht mehr da sind. Nun wird in der Nähe von Tripolis auch noch gekämpft.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Isler: Wir wurden komplett von der Kommunikation zwischen den Rettungsleitstellen abgeschnitten. Selbst die Italiener und Malteser informieren uns nicht mehr über Seenotfälle. Über Funk haben wir von einem Notfall gehört und unsere Hilfe angeboten - doch niemand hat uns gesagt, wo die Schiffbrüchigen sind.

SPIEGEL ONLINE: Ein Versehen oder Absicht?

Isler: Es war eine bewusste Entscheidung, diese Informationen nicht zu teilen. In den vergangenen Monaten haben Hafenbehörden die Schiffe privater Seenotretter nicht an Land gelassen. Das ist nun der nächste Schritt, um uns weiter zu isolieren und Europa abzuschotten.

SPIEGEL ONLINE: Die libysche Rettungsleitstelle in Tripolis koordiniert mittlerweile offiziell die Rettungseinsätze. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Isler: Es fühlt sich an, als würde die libysche Küstenwache nicht existieren. Wir haben jeden Morgen eine E-Mail geschrieben mit unserer Position und der geplanten Route. Darauf gab es keine Antwort. Auch im Notfall, als wir Menschen gerettet hatten, und um Anweisungen baten - keine Antwort. Wir haben acht Telefonnummern von der libyschen Küstenwache. Aber in den vergangenen Tagen ist nie jemand ans Telefon gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Für die einen sind Sie die Schlepper, für die anderen die humanitären Helfer. Wie hat sich die Debatte der vergangenen Monate auf die Arbeit von Sea-Eye ausgewirkt?

Isler: Wir bekommen viele hasserfüllte E-Mails. Und es spenden weniger Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel weniger wird gespendet?

Isler: Die Weihnachtszeit war noch ordentlich. Danach war der Rückgang massiv. Ich würde schätzen, dass die Anzahl unserer Spender um etwa 80 Prozent zurückgegangen ist.

SPIEGEL ONLINE: Worauf führen Sie das zurück?

Isler: Es gibt ein Narrativ, es ist Teil eines vergifteten Diskurses: Schiffe werden blockiert, gegen Flüchtlingsretter wird ermittelt, wir dürfen nicht in die Häfen. Da bleibt etwas Negatives hängen, als würden wir Illegales tun.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen also auch Äußerungen und Aktionen wie die von Salvini für die wenigen Spenden verantwortlich?

Isler: Natürlich. Wenn wir ständig mit Dreck beschmissen werden, muss man sich nicht wundern, wenn etwas hängen bleibt. Warum sollten normale Bürger davon ausgehen, dass ein Minister lügt? Aber es ist auch ein Problem, dass der deutsche Außenminister oder die Kanzlerin sich nicht einmischen und uns verteidigen. Das würde helfen.

SPIEGEL ONLINE: Melden sich auch weniger Freiwillige für die Missionen?

Isler: Leider ja. Das liegt aber größtenteils daran, dass die Fahrten so unberechenbar geworden sind. Wenn wir losfahren, wissen wir inzwischen nicht mehr, welcher Hafen unser Schiff einlaufen lässt. Wir wissen nicht mal, wann wir zurückkehren. Ich spreche mit vielen arbeitenden Menschen, die in ihrem Urlaub mit uns losfahren wollen, aber die Mission nicht vernünftig planen können. Solche Probleme kannten wir bisher nicht. Bisher haben wir nach langem Suchen immer noch genug Leute gefunden. Aber sobald das nicht mehr der Fall ist, müssen wir eben seltener auslaufen.

SPIEGEL ONLINE: Haben andere private Seenotrettungsorganisationen ähnliche Probleme?

Isler: Wenn wir nicht genug Freiwillige haben, fragen wir bei den anderen privaten Seenotrettern an. Auch Organisationen wie Sea-Watch berichten, dass sie gerade weniger Freiwillige finden.

SPIEGEL ONLINE: Kann Sea-Eye die gesunkene Spendenbereitschaft ausgleichen oder stehen die Rettungsmissionen vor dem Aus?

Isler: Wir kennen schlechte Phasen. Als Thomas de Maizière uns einst vorgeworfen hat, mit Schleppern zu kooperieren, haben wir wochenlang keine Spenden bekommen. Momentan können wir die fehlenden Spenden durch einige wenige Großspender sehr gut ausgleichen. Wenn Kardinal Marx uns allerdings nicht kürzlich 50.000 Euro gespendet hätte, hätten wir nicht auslaufen können. Ohne die Kirchen könnten wir nicht mehr retten.

Hier vollständig auf Spiegel-Online nachlesen: Klick mich

 

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