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 15.November 2020 © ekd

Bündnis United4Rescue finanziert mit der Sea-Eye-4 ein weiteres Rettungsschiff

EKD Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm unterstreicht die Notwendigkeit der zivilen Seenotrettung

Das Bündnis für Seenotrettung United4Rescue, dem mittlerweile mehr als 660 Bündnispartner angehören, will den Kauf und maßgeblich auch den Umbau des neuen Rettungsschiffes “SEA-EYE 4” finanzieren.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford Strohm, begrüßt die Finanzierung des neuen Bündnisschiffes: "Ich bin dankbar dafür, dass Sea Eye nun ein weiteres Schiff in den Einsatz im Mittelmeer bringen kann. Gerade die letzten Tage haben gezeigt, wie dringend notwendig das ist. Das konkrete Handeln der zivilen Seenotretter überwindet die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir die Bilder von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer sehen. Nur durch unsere Unterstützung können sie gerettet werden."

Bedford-Strohm dankt den Unterstützern

Bedford-Strohm dankte den vielen Unterstützern des Bündnisses United4Rescue: "Die Hilfe bei der Finanzierung eines weiteren Rettungsschiffes ist jetzt möglich, weil so viele Menschen auf das Spendenkonto von United4Rescue eingezahlt haben, um die Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, die uns alle verbindet: Man lässt Menschen nicht ertrinken. Die Sea Eye 4 kann einen weiteren wichtigen Beitrag dazu leisten, dass diesem Satz Taten folgen."

Bedford Strohm machte darüber hinaus deutlich, dass die evangelische Kirche auch in Zukunft solidarisch an der Seite der zivilen Seenotretter stehen wird: "Wir werden die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen, solange Menschen weiter zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken und niemand sonst sie rettet. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass so viele Menschen in unserem Bündnis United4Rescue sich daran beteiligen."

Das Rettungsschiff wird derzeit umgebaut

Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972, 55 m lang, 11 m breit) wird aktuell zum Rettungsschiff umgebaut und durch die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e.V. betrieben. Die “SEA-EYE 4” ist deutlich größer als die “ALAN KURDI”, das derzeitige Rettungsschiff der Organisation.

United4Rescue will neben dem Kaufpreis auch maßgeblich den Umbau des Rettungsschiffes finanzieren. Insgesamt will sich das Bündnis mit 434.000,00 € am Projekt beteiligen. Um die “SEA-EYE 4” möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat United4Rescue eine Spendenkampagne auf der Website http://www.wirschickennocheinschiff.de gestartet.


 

INTERVIEW MIT BEDFORD-STROHM

„Ein starker Moment in der deutschen Geschichte“

 

Vor fünf Jahren kamen Zehntausende Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof an - Landesbischof Bedford-Strohm hat das Geschehen am Münchner Hauptbahnhof hautnah miterlebt. Im Gespräch erklärt er seine Eindrücke über das historische Moment.

Von Christiane Ried

Freitag, 28.08.2020, 5:23 Uhr| Lesedauer: 6 Minuten   

Der Münchner Spätsommer 2015 ist in die Geschichte eingegangen. Tag für Tag kamen damals in der ersten Septemberhälfte Tausende Flüchtlinge über die Balkan-Route nach München. Sie waren wochenlang unterwegs, kamen vor allem aus Syrien und Afghanistan und wagten den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Griechenland, weiter nach Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich. Ihr Sehnsuchtsort: Deutschland. Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat das mittlerweile historische Geschehen im September 2015 hautnah miterlebt: am Münchner Hauptbahnhof und auf der Balkan-Route selbst. Im Gespräch blickt er zurück.

Sie wohnen und arbeiten in München, Ihr Büro liegt nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Wie haben Sie damals die Ankunft der Tausenden Flüchtlinge erlebt?

Heinrich Bedford-Strohm: Bei einem gemeinsamen Mittagessen haben Erzbischof Reinhard Marx und ich uns über die ankommenden Flüchtlinge unterhalten und dann spontan beschlossen, zum Hauptbahnhof zu gehen, um uns selbst ein Bild von der Lage zu machen. Es war unglaublich. Zum einen die Flüchtlinge, die sichtlich erschöpft von ihrer Reise waren, aber auch sehr glücklich, endlich willkommen geheißen zu werden, nachdem sie in jedem Land, das sie durchquert hatten, unerwünscht waren. Zum anderen die vielen Ehrenamtlichen, die die Menschen herzlich begrüßt und mit dem Nötigsten versorgt haben – Essen, Trinken, Hygieneartikel und auch Kleinigkeiten für die Kinder. Das hat mich sehr bewegt, das war ein starker Moment in unserer deutschen Geschichte.

Haben Sie damals schon geahnt, dass Sie einen historischen Moment erleben?

Ja, das habe ich schon geahnt. So etwas haben wir in unserem Land ja noch nie erlebt. Man hat gespürt, welche Kraft in unserer Gesellschaft steckt. Polizei, Verwaltung, Ehrenamtliche, auch unsere Kirchengemeinden, haben innerhalb kürzester Zeit eine Infrastruktur geschaffen, um die Flüchtlinge zu versorgen und dann weiter in Unterkünfte zu verteilen. Das hat doch vorher kaum jemand für möglich gehalten, dass so viel spontane Hilfsbereitschaft da ist.

Die Flüchtlinge kamen damals zu Zehntausenden über die sogenannte Balkan-Route nach Deutschland. Sie sind im September 2015 selbst nach Ungarn und Serbien gereist und haben sogar den Moment miterlebt, als Ungarn seine EU-Außengrenze geschlossen hat – und damit auch die Balkan-Route.

Das war eine sehr bewegende Reise. Denn plötzlich bekamen all die Nachrichten und Zahlen, wie viele Flüchtlinge eigentlich unterwegs sind, ein Gesicht. Besonders in Erinnerung sind mir noch die Bilder, als ich an der ungarisch-serbischen Grenze an den Bahngleisen den Flüchtlingen entgegengelaufen bin. All diese Menschen, die quasi in letzter Minute noch die offene Grenze passieren und die Europäische Union erreichen wollten. Ich habe Menschen getroffen, die alles verloren hatten: ihre Angehörigen oder Freunde, ihr Hab und Gut – entweder im Krieg oder bei der gefährlichen Bootsüberquerung im Mittelmeer. Hinter jedem einzelnen dieser Menschen steckt eine leidvolle Geschichte. Als Ungarn sein letztes Grenzstück zu Serbien geschlossen hatte, sind wir weiter Richtung Süden gefahren zur serbisch-mazedonischen Grenze. Dort haben mir die Flüchtlinge erzählt, dass sie trotz der geschlossenen EU-Grenze nicht umkehren werden. Spätestens da war klar: Eine Verbarrikadierung der EU vor den Flüchtlingen ist der falsche Weg.

Was wäre der richtige gewesen Ihrer Meinung nach?

Damals wie heute hätte es legale Fluchtwege in die EU gebraucht. Man kann nicht einfach die Grenzen zumachen, die Augen vor dem Leid der Menschen verschließen und die Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen allein Ländern außerhalb der EU zuschieben. Oder die Flüchtlinge auf lebensgefährliche Fluchtwege zwingen. Wir sind christlich geprägt und haben daher eine Verantwortung für Menschen in Not. Alle Länder müssen ihren Teil der Verantwortung tragen.

Das beste Mittel ist immer noch, den Menschen in ihrer Heimat ein Leben mit Perspektiven zu ermöglichen: Dazu braucht es etwa eine vernünftige Klimapolitik. Denn wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, müssen die Menschen irgendwann vor Dürre und Hunger fliehen. Es braucht außerdem eine vernünftige Handelspolitik. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass wir billige Hähnchenteile aus der EU nach Afrika schicken und so afrikanischen Kleinbauern das Geschäft wegnehmen. Wir müssen also – wie es etwas sperrig heißt – die Fluchtursachen bekämpfen. Das machen wir Kirchen mit unserem weltweiten Netzwerk und unserer Entwicklungsarbeit ja seit jeher.

Haben die EU und Deutschland aus dem Jahr 2015 gelernt? Immerhin sitzen derzeit immer noch Tausende Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos fest. Aber so richtig interessiert das gerade niemanden.

Was seit Jahren auf Lesbos passiert, ist ein Skandal. Dort sitzen nach meiner Information mindestens 16.000 Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen fest. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, aufs Essen müssen die Menschen stundenlang warten. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn dort Corona ausbricht. Dann hätten wir eine noch größere humanitäre Katastrophe. Dass die EU nicht einmal in der Lage ist, 1.600 Kinder und Jugendliche von dort aufzunehmen, ist unfassbar. Diejenigen EU-Länder, die helfen wollen, sollten eine Koalition der Willigen bilden und nicht darauf warten, bis sich alle EU-Staaten einig sind.

Die Menschen, die die Asylsuchenden am Münchner Hauptbahnhof willkommen geheißen haben, wurden schnell von manchen verächtlich als „Bahnhofsklatscher“ betitelt, Flüchtlingshelfer als „Gutmenschen“. Wurde im Spätsommer 2015 der Weg geebnet für den Aufstieg der AfD und Rechtspopulisten?

Natürlich hat es infolge der Ereignisse Hetze und Hass von rechtspopulistischer Seite gegeben. Verstärkt wurde diese Dynamik durch die sozialen Netzwerke – Angst- und Hassbotschaften werden nun mal häufiger angeklickt und durch die Algorithmen nach oben gespült. Daher war es auch nicht gerade förderlich, dass Politiker, wie etwa der damalige Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Begriffe wie „Asyltourismus“ oder „Asylmissbrauch“ in den Mund genommen haben. Das hat den Rechtspopulisten nur in die Hände gespielt. Ich will aber auch betonen: Markus Söder hat sich später von seinen Aussagen distanziert. Dafür war ich sehr dankbar, das war ein Zeichen von Größe und Ausdruck eines Lernprozesses, vor dem ich großen Respekt habe. Ich bin jedenfalls froh, dass sich am Ende die Stimmen der Vernunft durchgesetzt haben. Man holt sich ja keine Stimmen von der AfD zurück, indem man selbst deren Wortwahl gebraucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat 2015 ihren berühmten „Wir schaffen das“-Satz gesagt. Jetzt fünf Jahre später: Haben wir es tatsächlich geschafft?

Dass eine Regierungschefin in einer schwierigen Situation nicht Angst verbreitet, sondern Zuversicht, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Natürlich hat es Schwierigkeiten gegeben, das war ja zu erwarten. Wir mussten ja erst einmal lernen, wie wir all die Menschen integrieren können. Das klappt zum Beispiel besser in dezentralen Unterkünften und nicht in großen Sammelunterkünften, wo die Stimmung wegen der mangelnden Privatsphäre schnell mal aggressiv werden kann. Und natürlich klappt die Integration nicht bei jedem gleich gut. Aber inzwischen sind rund eine halbe Million Flüchtlinge entgegen aller anfänglichen Befürchtung in Arbeit oder Ausbildung. Das ist doch eine riesige Leistung und eine Erfolgsgeschichte für unser Land! (epd/mig)

 


„Sea-Watch 4“ rettet über 200 Menschen aus Seenot

 

Seit Freitag patrouilliert die „Sea-Watch 4“ in der Rettungszone vor Libyen. 

24.08.2020

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,

unser Schiff rettet Leben:

Nach drei Einsätzen in weniger als 48h befinden sich aktuell mehr als 200 Gerettete an Bord der Sea-Watch 4!

Nach zwei ersten Rettungen von rund 100 Bootsflüchtlingen am Wochenende, entdeckte die Besatzung heute in den frühen Morgenstunden erneut ein überfülltes und seeuntaugliches Schlauchboot! Bei rauem Wetter wurden unsere beiden Schnellboote ausgesetzt und das Rettungsteam verteilte Rettungswesten an die Menschen, bevor sie an Bord unseres Schiffs gebracht wurden. Viele der Geretteten sind in schlechtem gesundheitlichen Zustand – aber in Sicherheit. Sie werden jetzt beruhigt, versorgt und von Ärzte ohne Grenzen medizinisch betreut.

Dass unser Schiff in weniger als 48 Stunden so viele Menschen retten konnte zeigt, wie viele Schlauchboote in diesem Sommer wieder die lebensgefährliche Überfahrt wagen.

Wir freuen uns mit der Besatzung, dass alle Rettungen gut und ohne Zwischenfälle verliefen. Aber wir denken auch an alle Boote, die gerade auf dem Weg sind und nicht das Glück haben, den Weg der Sea-Watch 4 zu kreuzen, gesichtet und gerettet zu werden.

Nun wird es bald darum gehen, dass unser Schiff einen sicheren Hafen zugewiesen bekommt. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte heute Morgen gegenüber dem Sender Bayern2, dass er von der Bundesregierung erwarte, "dass sie sich dafür einsetzt, dass wenn Menschen da gerettet worden sind, es nicht wieder ein wochenlanges Geschacher gibt", sondern die Geretteten schnell auf mehrere europäische Staaten verteilt werden würden. Wir hoffen das auch sehr!

Wenn ihr wissen möchtet, wo genau sich unser Schiff befindet: Unter www.vesselfinder.com oder www.marinetraffic.com/ wird Euch die aktuelle Position angezeigt, wenn ihr den Schiffsnamen „SEA-WATCH 4“ eingebt. Diese Lokalisierung ist möglich, weil das Schiff gemäß den gesetzlichen Vorschriften einen sogenannten AIS-Transponder (Automatic Identification System) besitzt, um Kollisionen mit anderen Schiffen zu verhindern.

Folgt United4rescue bei Twitter, Facebook und Instagram um die aktuellsten Informationen von unserem Bündnisschiff zu bekommen und auch zu verbreiten! Bitte begleitet die Situation weiter mit Euren Gebeten und Eurem Handeln.

Mit europäischen Grüßen

Sven Giegold & Ansgar Gilster

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16.8.2020

Hallo Ulrich,

 

nach über 5 Monaten in der Werft in Burriana (Spanien) ist die Sea-Watch 4 heute endlich in ihren ersten Einsatz Richtung zentrales Mittelmeer gestartet. Die europaweiten Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie hatten die Abfahrt leider stark hinausgezögert. Trotzdem konnte unsere Werft-Crew das ehemalige Forschungsschiff Poseidon zum Rettungsschiff Sea-Watch 4 umbauen. Auf der mehrtägigen Überfahrt ins Suchgebiet vor der libyschen Küste spielt unsere Crew verschiedenste Einsatz-Szenarien durch und macht sich weiter mit den umfassenden Corona-Präventionsmaßnahmen an Bord vertraut. Die starke Allianz mit dem Bündnis United4Rescue gibt uns dabei Rückenwind.

Foto: Chris Grodotzki/Sea-Watch.org
Das Bündnis ermöglichte Anfang des Jahres den Kauf des Schiffes durch tausende gesammelte Spenden, die operationelle Verantwortung des Einsatzes trägt Sea-Watch. Wir freuen uns, dass mit Ärzte ohne Grenzen, die vorerst die medizinische Betreuung unserer Gäste übernehmen werden, ein weiterer Partner mit uns gemeinsam der Politik des Sterbenlassens an Europas südlicher Außengrenze entgegentritt. Dass dies gerade wieder bitter nötig ist, haben die letzten Wochen traurig gezeigt.

 

Fotos: Chris Grodotzki/Sea-Watch.org

Seit 6 Wochen ist kein ziviles Rettungsschiff mehr in der Such- und Rettungszone aktiv. In dieser Zeit wagten laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 3.500 Menschen die Flucht über das Mittelmeer. 25 Boote mit über 1.500 Menschen in Seenot wurden von unserem Flugzeug-Team gesichtet. Knapp 1.200 Menschen wurden zurück nach Libyen geschleppt. Mindestens 44 Menschen starben, 3 Menschen wurden Ende Juli von der sogenannten Libyschen Küstenwache erschossen – und das sind nur die Toten, über die wir Gewissheit haben.

Solange die EU Menschen an ihren Grenzen zum Tod durch Ertrinken verurteilt, kämpfen wir weiter. Für Bewegungsfreiheit und das Recht auf Leben!


Herzlichen Dank für Deine Solidarität im Namen der gesamten Sea-Watch-Crew auf dem Wasser, in der Luft und an Land!



18.6.2020

Hallo  

es herrscht Wahnsinn auf dem Mittelmeer. Gestern brachte unsere Crew 165 Menschen von 2 Booten sicher auf die Sea-Watch 3. Unsere Crew hatte sie entdeckt und so schnell wie möglich die Rettungen mit unseren Schnellbooten eingeleitet. Bis in die frühen Morgenstunden und auch weiterhin suchen wir nach einem weiteren Seenotfall.

(Fotos: Laila Sieber - Sea-Watch.org)

Die letzten eineinhalb Wochen auf dem Mittelmeer waren geprägt von völkerrechtswidrigen Abfangaktionen durch die sogenannte Libysche Küstenwache, außerdem von zwei Bootskatastrophen, bei denen fast 70 Menschen ums Leben kamen. Daher sind wir heute erleichtert, diesmal einen Unterschied gemacht zu haben. An Bord der Sea-Watch 3 wurden unsere Gäste sofort medizinisch behandelt. Viele von ihnen trugen schwere chemische Verbrennungen durch das Salzwasser-Treibstoffgemisch in ihren Booten davon. Jetzt können sie sich endlich ein wenig von den Strapazen ausruhen, ohne um ihr Leben zu fürchten. Aber was unsere Gäste jetzt vor allem brauchen ist die umgehende Zuweisung eines sicheren Hafens!

(Fotos: Laila Sieber - Sea-Watch.org)

Auch die Crew unseres Suchflugzeugs Moonbird flog gestern gleich zwei Einsätze hintereinander, um nach Booten in Seenot zu suchen. Dabei mussten sie hilflos mit ansehen, wie die EU-finanzierte sogenannte Libysche Küstenwache vor ihren Augen ein Boot mit knapp 70 Personen völkerrechtswidrig in das Bürgerkriegsland zurück schleppte. Das Ganze wurde koordiniert von einem Flugzeug der europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX. Laut UNHCR wurden gestern über 300 Menschen illegal zurück nach Libyen gebracht. Von den zahlreichen Booten, die in den letzten Tagen die Überfahrt wagten, wurden zwei gestern von der Sea-Watch 3 gefunden und die Personen geborgen, die Passagiere eines dritten Bootes erreichten die Insel Lampedusa aus eigener Kraft. Gleich heute Morgen flog unsere Moonbird erneut das Suchgebiet ab, um nach einem von vier Booten, die die Crew gestern gesichtet hatte, zu suchen, das seitdem aber nicht mehr gesehen wurde.

Solange Menschen über das Meer fliehen müssen und von Europa wissentlich sterben gelassen werden, werden wir nach Menschen in Seenot suchen, um zu retten, wo die europäischen Staaten wegschauen oder sogar aktiv Völkerrecht brechen.
Wenn Du unseren Einsatz direkt unterstützen möchtest, spende hier!

Aktuell befinden sich mit der Mare Jonio von Mediterranea und unserer Sea-Watch 3 genau zwei Schiffe auf dem Mittelmeer, bei denen wir uns darauf verlassen können, dass sie gerettete Menschen auch in Sicherheit bringen. Wir sind seit über acht Wochen die ersten Rettungsschiffe, die an der tödlichsten Grenze der Welt patrouillieren. In diesen acht Wochen sind über 35 Boote auf dem Weg nach Europa gemeldet worden, von denen viele durch die sogenannte Libysche Küstenwache abgefangen und zurück in das vom Krieg zerrüttete Land verschleppt wurden. 

Die letzten Tage zeigen uns erneut: Zwei Rettungsschiffe reichen nicht aus. Wir können nicht das gesamte Mittelmeer abdecken. Während Menschen auf der Suche nach Sicherheit ihr Leben riskieren, werden zivile Rettungsschiffe in italienischen Häfen festgehalten, die so dringend gebraucht werden. Wir fordern deshalb, dass die Alan Kurdi von Sea-Eye, die Aita Mari von SMH/Maydayterraneo und auch die Iuventa von Jugend Rettet endlich wieder freigelassen werden. 

Trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie werden wir auch weiter Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer fahren, denn die südliche Außengrenze der EU bleibt vermutlich auch 2020 die tödlichste Grenze der Welt. 

Philipp Hahn

(Einsatzleiter auf der Sea-Watch 3)


24.5.2020

Hallo,

 


wir haben Geburtstag! Vor 5 Jahren gründete sich der Verein Sea-Watch. So alt wollten wir eigentlich nie werden. Und obwohl behauptet wird, mit dem Alter kommt die Weisheit, will es uns bis heute noch immer nicht in den Kopf hinein, wie man Menschen an der europäischen Grenze ertrinken lassen kann - oder an irgendeiner Grenze! 

Seit unserer Gründung mit einem Fischkutter bis heute zu den sehr gut ausgestatteten Sea-Watch 3 und Sea-Watch 4 haben wir extremes Kräftemessen auf allen Ebenen hinter uns gebracht - operationell, politisch, aber auch rechtlich. Allein während der letzten 30 Missionen in den letzten 2 Jahren mussten wir 4 Standoffs und mehrere Festsetzungen von Schiff und Flugzeug ausfechten, ganz zu schweigen von den Ermittlungen gegen unsere Kapitän*innen.

Unser Kapitän Arturo - die Ermittlungen gegen ihn laufen noch immer (Foto: Nick Jaussi - Sea-Watch.org)

Vor genau einem Jahr nahmen die italienischen Behörden die Ermittlungen auf gegen unseren Kapitän Arturo wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Dieser war in italienische Gewässer eingefahren, nachdem die Geretteten an Bord mit Selbstmord gedroht hatten, da nach Tagen des Wartens keine Besserung der Situation in Sicht war.

Foto: Nick Jaussi - Sea-Watch.org

Am Abend zuvor hatte die italienische Küstenwache die Anlandung von 18 Frauen, Kindern und Männern angeordnet und durchgeführt. Die nicht zu den Familien gehörenden Menschen waren an Bord zurückgeblieben, unter ihnen acht unbegleitete Minderjährige, eine schwangere Frau und eine Person mit Behinderung. Nach dieser inakzeptablen, diskriminierenden Trennung wurde die medizinische und psychologische Situation an Bord des Schiffes untragbar und die Besatzung konnte die Sicherheit der geretteten Personen nicht mehr gewährleisten.

Die italienischen Behörden setzten die Sea-Watch 3 daraufhin für mehrere Wochen fest. Innenminister Salvini verleumdete uns als Schleuser. Ein Jahr später ist er nicht mehr im Amt, wir sind immer noch da. Wir lassen uns nicht aufhalten. Wir finden neue Wege. Das haben wir mit den Schiffen, mit den Flugzeugen und mit unserem vielfältigen Protest an Land immer wieder bewiesen.

Offene Grenzen und sichere Fluchtwege für alle bleiben unser Ziel, dem wir mit unserer Arbeit jeden Tag ein kleines Stück näher kommen wollen.


Deine Unterstüzung als Spender*innen oder Fördermitgliedern macht Sea-Watch erst möglich. Deine Unterstützung rettet Leben!

Herzlichen Dank und beste Grüße im Namen all unserer Aktivist*innen,

Dein Johannes Bayer
Vorstandsmitglied Sea-Watch e.V.

Deine Spende rettet Leben!

Ertrunken - eine Meile vor Lampedusa

Während wir alles daran setzen, nächsten Monat rauszufahren, hat sich unsere Vermutung bestätigt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die mit Covid19 begründete Diskriminierung von Menschen auf der Flucht sein nächstes Todesopfer fordert. Statt gerettete Menschen an Land zu bringen verstauen Malta und Italien sie auf Fähren vor der Küste, vorgeblich aus Quarantänegründen. So wurde auch die Fähre Moby Zaza zum Quarantäneschiff umdeklariert, wo 121 Menschen ausharren mussten - jetzt sind es nur noch 120. Denn einer sprang aus Verzweiflung über die Situation über Bord und ertrank, eine Meile vor der italienischen Küste. Covid 19 ist eine Herausforderung, aber entschuldigt keine Zweiklassengesellschaft und Freiheitsberaubung auf See. Es ist das Recht dieser Menschen, an Land und in Sicherheit zu sein.

Zurück in den Einsatz!


Es wird Zeit, dass wir wieder in den Einsatz kommen. Wir haben lange getüftelt, um unsere Crew nicht zu gefährden und sind nun mit den Covid Vorkehrungen soweit, dass wir nächste Woche endlich wieder mit den Arbeiten an der Sea-Watch 4 weitermachen können!
Foto: Jonathan Weinspach - Sea-Watch.org

Das bedeutet für unsere Crew zwei Wochen Quarantäne vor und nach dem Schiffsaufenthalt und aufwendige, zeitintensive Arbeitsprozesse. Es war nicht einfach, Freiwillige zu finden, die eine solche lange Zeitspanne mitmachen können, doch zum Glück haben wir einen riesigen Pool aus den tollsten Freiwilligen! Und denen geht es genauso wie uns und sind daher doppelt motiviert: Wir wollen - und müssen - möglichst schnell wieder in das Einsatzgebiet!


Montag, 03.02.2020

Kirchliches Bündnis kauft Schiff zur Seenotrettung

Das kirchliche Bündnis "United4Rescue" für eine eigene Rettungsmission hat ein Schiff erworben. Ostern könnte es ins Mittelmeer auslaufen. Bis dahin stehen Umbauarbeiten an, für die der Verein weiter Spenden sammeln will.

Das kirchliche Bündnis „United4Rescue“ ist bei seinen Plänen für eine eigene Rettungsmission im Mittelmeer einen Schritt weiter. Das Bündnis hat das Kieler Forschungsschiff „Poseidon“ erworben, wie es am Freitag selbst mitteilte. Am Donnerstag endete das Bieterverfahren für das Schiff, für das der Verein „Gemeinsam Retten“ am Ende den Zuschlag bekam. „United4Rescue“ hatte seit Dezember Spenden für den Erwerb eines Schiffes gesammelt, das sich für Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer eignet.Nach Angaben von Vereinssprecher Joachim Lenz hat das Schiff 1,5 Millionen Euro gekostet. 1,1 Millionen Euro hat demzufolge das Bündnis beigesteuert. Den Rest der Summe übernehme die Organisation Sea-Watch, die im Auftrag das Bündnisses das Schiff betreiben soll.

Bevor das frühere Forschungsschiff für seinen künftigen Zweck in See stechen kann, sind noch Umbauten notwendig. So müssen unter anderem eine Krankenstation eingerichtet und Beiboote angeschafft werden. Lenz zufolge wollen sich die Verantwortlichen zunächst einen Überblick über die notwendigen Arbeiten verschaffen. Er hoffe, dass das Schiff etwa von Ostern an für Rettungseinsätze zur Verfügung steht.

Die „Poseidon“ war bislang für das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung im Einsatz. Für den Umbau braucht das Bündnis weitere Spenden, wie aus der Mitteilung von Freitag hervorgeht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, der sich persönlich stets hinter die Initiative gestellt hatte, dankte den Spendern. „Ich freue mich, dass das Engagement so vieler Menschen jetzt auch zum Erfolg geführt hat“, sagte er dem „Evangelischen Pressedienst“.

„Seenotrettung eigentlich staatliche Pflichtaufgabe“

 

„Seenotrettung ist eigentlich eine staatliche Pflichtaufgabe, die im Mittelmeer schon seit Jahren nicht wirksam wahrgenommen wird“, sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski. Deshalb sei die Initiative anderer notwendig, ergänzte Rekowski, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Der Europa-Abgeordnete Sven Giegold (Grüne), der zu den Mitinitiatoren des Bündnisses gehört, erklärte: „Dieses Schiff wird Leben retten und kann helfen, die europäische Politik zu ändern.“

©migazin.de

 

Forschungsschiff "Poseidon"

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hallo Ulrich,

endlich ist es soweit: nach sechsmonatiger Blockade durch italienische Behörden ist die Sea-Watch 3 heute morgen zu einer neuen Rettungsmission ausgelaufen. Nachdem wir kurz vor Weihnachten die Berufung gegen die unrechtmäßige Beschlagnahmung vor dem Zivilgericht gewonnen haben, nutzten wir die Feiertage, um den aktuellen Rettungseinsatz vorzubereiten. 

Aggiornamento: prima missione di salvataggio dopo il sequestro
Update: Sea-Watch 3 starts rescue mission
 Die Sea-Watch 3 auf dem Weg zurück ins Einsatzgebiet. 
Foto: Sea-Watch e.V.

 

Die Sea-Watch 3 ist nun auf dem Weg in die Such- und Rettungszone vor Libyen. Während sich die politische Situation in Libyen weiter verschärft, ist auch bei der humanitären Katastrophe im Mittelmeer kein Ende in Sicht. Hunderte Menschen sind ertrunken, während die Sea-Watch 3 unrechtmäßig festgehalten wurde. Endlich sind wir wieder auf dem Weg ins Einsatzgebiet.

Das Einsatzgebiet der Sea-Watch 3: Die Such- und Rettungszone nördlich der libyschen Küste.
Grafik: Sea-Watch.e.V.

Vor unserer Einsatzcrew liegen nun über 30 Stunden Anfahrt und zum Jahreswechsel eine Schlechtwetterphase, die vermutlich bis zum Wochenende anhalten wird. Angekommen vor Ort wird unser Aufklärungsflugzeug Moonbird bei der Suche nach und der Rettung von Menschen in Seenot unterstützen und Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. 

Wir werden niemals aufhören Menschen aus Seenot zu retten, egal wie viele Steine uns in den Weg gelegt werden! Deine Unterstützung ist dabei unverzichtbar. Nur mit Deiner Einzelspende oder Deinem Beitrag als Fördermitglied bleibt Sea-Watch auf Kurs. Du weißt ja: Ein Menschenleben ist unbezahlbar, Seenotrettung ist es nicht!

Liebe Grüße von der Sea-Watch 3

Johannes Bayer

Einsatzleiter & Vorsitzender Sea-Watch e.V. 
Jetzt mitretten - spende für Sea-Watch!

Solidarität mit der EKD

Wir solidarisieren uns mit der Evangelischen Kirche Deutschlands, die wegen ihres Engagements für Geflüchtete angefeindet wird und an ihrem Verwaltungssitz in Hannover heute einen Drohbrief mit „weißem Pulver“ erhalten hat.

Die Entscheidung der EKD, ein Schiff zur Seenotrettung ins zentrale Mittelmeer zu schicken, ist genau das richtige Zeichen. Als starke Zivilgesellschaft lassen wir uns nicht unterkriegen und nicht einschüchtern.

Der EKD und allen Menschen, die wegen ihres Engagements von rechtsextremer Seite angefeindet und bedroht werden, sagen wir klar: Wir stehen an Eurer Seite!

Flüchtlingsrat Niedersachsen

Die evangelische Kirche wird ein Schiff zur Seenotrettung von

                                               Flüchtlingen im Mittelmeer finanzieren!                                        12.9.2019

 

Bitte klicken Sie auf das folgende Bild

23.9.2019 ------ Malta-Einigung ist keine Lösung!

Heute einigten sich die Innenminister von Malta, Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien bei einem EU-Treffen in Malta auf eine Übergangslösung zur Aufnahme und Verteilung von auf dem Mittelmeer geretteten Menschen. Endlich soll es einen freiwilligen Notfallmechanismus geben. Die Vorstellung der genauen Ergebnisse steht noch aus. Für die SEEBRÜCKE ist jedoch jetzt schon klar:
Dies ist ein zu kleiner Schritt in die richtige Richtung. Wir werden solange weiter auf die Straßen gehen, bis es eine grundsätzliche Lösung gibt und kein Mensch mehr im Mittelmeer stirbt. Es bleibt viel zu tun: Europas Staaten müssen mit staatlicher Seenotrettung Verantwortung übernehmen, die lebensgefährlichen Rückführungen nach Libyen sofort stoppen und aufhören, die sogenannte libysche Küstenwache zu unterstützen und auszubilden. Für all diese Aufgaben haben die Innenminister heute keine Lösung gefunden.

Spende jetzt!
 

Juhu, die Kirche Schickt ein Schiff!
 

Vielen Dank an alle, die sich an unserer Kampagne “EKD schick ein Schiff!” beteiligt haben! Denn in diesem Newsletter sagen wir: “Juhu, die Kirche schickt ein ein Schiff!”

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat tatsächlich beschlossen, in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis ein zusätzliches Schiff zur Rettung von Ertrinkenden ins Mittelmeer zu senden. Hierfür wird nun ein Verein gegründet.

Diese tolle Entscheidung verkündete Landesbischof Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD am 12. September bei einer gemeinsamen Bilanz-Pressekonferenz mit Vertreter*innen von Rettungs- und Hilfsorganisationen, Kommunen sowie der SEEBRÜCKE. Die Bilanz fiel von allen Seiten eindeutig aus: Die Politik versagt mit Hinblick auf die aktuelle Situation in Libyen und auf dem Mittelmeer. Auch nach der heute in Malta gefundenen Einigung bleiben die von Kommunen und Zivilgesellschaft formulierten Forderungen gültig! Über 90 Kommunen haben sich zu Sicheren Häfen erklärt. Für sie muss eine Möglichkeit geschaffen werden, freiwillig zusätzliche Schutzsuchende aufzunehmen.

Alle Menschen müssen das Recht haben, sich frei und sicher zu bewegen! Lasst uns gemeinsam weiter für dieses Recht einstehen!

 

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Die evangelische Kirche wird ein Schiff zur Seenotrettung von

                                               Flüchtlingen im Mittelmeer finanzieren!                                        12.9.2019

 

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Evangelische Kirche schickt ein Schiff! 


Auf einer Veranstaltung des evangelischen Kirchentags mit dem Namen “Gemeinsam für offene Häfen in Europa” verkündete der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, dass die Evangelische Kirche ein Rettungsschiff ins zentrale Mittelmeer schicken wird. Das finden wir großartig! Ebenfalls erinnerte die SEEBRÜCKE (Klick mich) mit der Aktion “Jeder Mensch hat einen Namen” auf dem Evangelischen Kirchentag an alle Menschen, die in den letzten Jahren bei der Flucht über das zentrale Mittelmeer ihr Leben verloren haben. Riesengroße Banner mit den Namen der Verstorbenen wurden am Kirchturm der St. Reinoldi Kirche Dortmund aufgehängt, um ein Zeichen der Solidarität mit den Verstorbenen zu setzen. Wir machen weiter, bis das Sterben endlich aufhört!

 

🚢12.7.2019

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Palermo-Appell für Seenotrettung und solidarische Aufnahme

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat auf Sizilien die Crew der Sea-Watch 3 besucht und den Seenotretter_innen für ihre Arbeit gedankt. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, fordert Bedford-Strohm im Palermo-Appell eine staatliche Seenotrettung, einen europäischen Verteilungsmechanismus und das Ende der Kriminalisierung der Retter_innen.

Auszug aus dem Appell:

Gemeinsam mit vielen Verantwortlichen aus Kommunen, Kirchen und der Zivilgesellschaft meinen wir:

1. 2019 darf nicht zu einem verlorenen Jahr für die Seenotrettung im Mittelmeer werden.
2. Die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung muss ein Ende haben. Jetzt!
3. Seenotrettung muss auch eine staatliche Aufgabe bleiben. Was ist aus der europäischen Seenotrettung geworden? Deutschland sollte hier ein Zeichen setzen und Schiffe entsenden!
4. Wir brauchen noch in diesem Sommer eine politische Notlösung, einen vorübergehenden Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge. Viele Städte und Kommunen in Europa wollen „Sichere Häfen“ sein! Lassen wir das Realität werden!
5. Wir brauchen in der EU eine „Koalition der Willigen“, die jetzt handelt. Und eine zukunftsfähige Migrationspolitik entwickelt. Denn Menschen ertrinken lassen oder in die Lager Libyens zurückschicken, kann keine Option für Europa sein.

Palermo-Appell vom 3. Juni 2019

Diesen Appell unterstützen mit einem Video die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Ruprecht Polenz (CDU), Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Gesine Schwan (SPD), Aktivist_innen von SeaWatch und Seebrücke sowie Geistliche aus Deutschland und Schweden.

 

Hier mehr zum Engagement der Kirche für Seawatch

... klick mich

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Gemeinsame Pressemitteilung
05.06.2019

Was unternimmt Kirche gegen das Sterben auf dem Mittelmeer?

Sea-Eye und Sea-Watch danken den Kirchen mit gemeinsamer Initiative
Die Crew der "Alan Kurdi" rettete im April den nigerianischen Jungen Emanuel (4). Ohne die Spenden der Kirchen hätte diese Mission nicht stattfinden können Emanuel wäre verschwunden. (Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org) >> Mehr Fotos und Videos <<

Was tun die Kirchen gegen das Sterben auf dem Mittelmeer?

Sea-Eye und Sea-Watch danken den Kirchen mit gemeinsamer Initiative
Regensburg, Berlin, Valletta, Rom
Der Ratsvorsitzende der EKD Heinrich Bedford-Strohm, besucht das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" in Italien und fordert erneut eine politische Notlösung für die flüchtenden Menschen, die u.a. von Sea-Watch und Sea-Eye auf dem offenen Meer gerettet werden. Immer wieder bekennen sich die christlichen Kirchen Deutschlands, klar und unmissverständlich, zu den zivilen Seenotrettern. Sie fordern laut das Ende der Kriminalisierung der Hilfsorganisationen  und spenden u.a. auch für die Suchflugzeuge und Rettungsschiffe von Sea-Eye und Sea-Watch. 

So unterstützte das Mennonitische Hilfswerk die Organisation Sea-Eye e.V. bereits mit mehr als 50.000€, innerhalb der vergangenen 2 Jahre. Das Suchflugzeug Moonbird wurde von der EKD mit 100.000€ gefördert. „Mehr als 1000 Menschen wären mit Sicherheit tot, hätte unser Flugzeug sie nicht in letzter Sekunde entdeckt. Dieser Einsatz wäre ohne die Unterstützung der Kirche nicht möglich gewesen, dafür sind wir dankbar!“ sagt Johannes Bayer, Vorsitzender von Sea-Watch e.V. Die Diözese München-Freising unterstützte die Rettungseinsätze der "Alan Kurdi" von Sea-Eye im Januar mit 50.000€. „Ein christliches Bekenntnis, das der Katastrophe, die tagtäglich auf dem Mittelmeer geschieht, tatenlos zuschaut, ist nicht glaubwürdig. So lange es Menschen gibt, die sich in ihrer Not und Verzweiflung auf den Weg über das Mittelmeer machen, ist unser Auftrag Barmherzigkeit.“sagte Kardinal Reinhard Marx im Januar 2019 zur Spende an Sea-Eye e.V.

Insgesamt erhielt Sea-Eye im laufenden Jahr bereits 190.000€ aus dem Raum der deutschen Kirchen, als Reaktion auf die unterschiedlichen Hilfegesuche der Regensburger Seenotretter. „Ohne die verschiedenen Kirchen, wären in diesem Jahr keine Rettungseinsätze möglich gewesen. Würden europäische Regierungen die Menschenrechte genauso ernst nehmen, wie Kirche die Botschaft der Bibel, wären wir vermutlich überflüssig.“ Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V. 

Die Kirchen sind ein wichtiger Bündnispartner für beide Hilfsorganisationen geworden. Die Organisationen haben deshalb die Initiative "Kirche rettet" ins Leben gerufen, um dieses kirchliche Engagement sichtbar zu machen, um danke zu sagen und fortlaufend über kirchliches Engagement zu berichten. Die Spenden aus dieser gemeinsamen Kampagne kommen vier Hilfsorganisationen zu Gute. Dazu gehören neben den Initiatoren auch dasAlarmPhone und Solidarity at Sea.
Kirche-rettet.de

Deutsche Helfer im Mittelmeer"Ohne die Kirchen könnten wir nicht mehr retten"

Hilfsbedürftige Menschen an Bord, kein Hafen nimmt sie an: In dieser Situation befindet sich die deutsche Crew der "Alan Kurdi", dem derzeit einzigen Seenotrettungsschiff auf dem Mittelmeer. Deren Sprecher schildert, warum der Helferjob immer schwieriger wird.

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Ein Interview von 

Gerettete Migranten an Bord der "Alan Kurdi" (03.04.2019)

Gerettete Migranten an Bord der "Alan Kurdi" (03.04.2019)

Als einziges privates Schiff hilft die deutsche "Alan Kurdi" derzeit schiffbrüchigen Flüchtlingen. Vor der libyschen Küste hat die Crew 64 Menschen retten können, darf aber keinen italienischen oder maltesischen Hafen anlaufen. Vor allem Italiens Innenminister Matteo Salvini macht Stimmung gegen die deutschen Seenotretter. Sein Kommentar: "Soll sie doch nach Hamburg fahren."

Im Interview spricht Sea-Eye-Vorstand Gorden Isler über die Situation an Bord, die Kooperation mit der libyschen Küstenwache - und er erklärt, warum seine Organisation plötzlich Probleme hat, die Missionen zu finanzieren.

Zur Person
  • Gorden Isler, Jahrgang 1982, ist Sprecher von Sea-Eye. Die Organisation ist seit April 2016 vor der libyschen Küste im Rettungseinsatz. Isler fährt hin und wieder selbst auf Missionen mit.

SPIEGEL ONLINE: Herr Isler, wie ist die Situation an Bord?

Gorden Isler: Schlecht. Die Menschen frieren, ihre Kleidung ist durchnässt. Viele sind seekrank. In den vergangenen Tagen hatten wir zwei medizinische Notfälle: Eine junge Frau aus Nigeria litt unter Bewusstseinsstörungen, ihr Kreislauf kollabierte. Eine andere schwangere Nigerianerin hatte einen epileptischen Anfall. Die maltesische Armee musste beide Frauen evakuieren.

SPIEGEL ONLINE: Unter den Geretteten befinden sich zwei Familien mit kleinen Kindern. Italien hatte angeboten, die Kinder und Mütter in Italien an Land zu lassen. Die Männer hätten aber an Bord bleiben müssen. Wie haben Sie reagiert?

Isler: Es gibt keinen einzigen plausiblen Grund, die Familien zu trennen. Wenn die Frauen und Männer in unterschiedlichen Ländern Asyl beantragt hätten, wären die Familien vermutlich sogar für längere Zeit getrennt worden. Wir haben die Familien schließlich selbst gefragt. Und die haben sehr schnell entschieden, dass sie zusammen an Bord bleiben wollen. Es war eine schwierige Situation.

SPIEGEL ONLINE: Ende März hat die Europäische Union den Marineeinsatz vor der libyschen Küste beendet. Was bedeutet das für Sea-Eye?

Isler: Es ist niemand mehr da, der uns helfen könnte. Vor allem, wenn wir mal ein großes Boot mit vielen Menschen retten, wird es eng. Ob Flüchtlinge, die auf die Boote der Schlepper gehen, leben oder sterben, ist nun endgültig eine Frage des Glücks. Während der aktuellen Mission haben wir Notrufe von einem Boot gehört, das nie gefunden wurde. Und die Menschen werden weiter aus den libyschen Folterlagern fliehen - auch wenn die EU-Schiffe nicht mehr da sind. Nun wird in der Nähe von Tripolis auch noch gekämpft.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Isler: Wir wurden komplett von der Kommunikation zwischen den Rettungsleitstellen abgeschnitten. Selbst die Italiener und Malteser informieren uns nicht mehr über Seenotfälle. Über Funk haben wir von einem Notfall gehört und unsere Hilfe angeboten - doch niemand hat uns gesagt, wo die Schiffbrüchigen sind.

SPIEGEL ONLINE: Ein Versehen oder Absicht?

Isler: Es war eine bewusste Entscheidung, diese Informationen nicht zu teilen. In den vergangenen Monaten haben Hafenbehörden die Schiffe privater Seenotretter nicht an Land gelassen. Das ist nun der nächste Schritt, um uns weiter zu isolieren und Europa abzuschotten.

SPIEGEL ONLINE: Die libysche Rettungsleitstelle in Tripolis koordiniert mittlerweile offiziell die Rettungseinsätze. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Isler: Es fühlt sich an, als würde die libysche Küstenwache nicht existieren. Wir haben jeden Morgen eine E-Mail geschrieben mit unserer Position und der geplanten Route. Darauf gab es keine Antwort. Auch im Notfall, als wir Menschen gerettet hatten, und um Anweisungen baten - keine Antwort. Wir haben acht Telefonnummern von der libyschen Küstenwache. Aber in den vergangenen Tagen ist nie jemand ans Telefon gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Für die einen sind Sie die Schlepper, für die anderen die humanitären Helfer. Wie hat sich die Debatte der vergangenen Monate auf die Arbeit von Sea-Eye ausgewirkt?

Isler: Wir bekommen viele hasserfüllte E-Mails. Und es spenden weniger Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel weniger wird gespendet?

Isler: Die Weihnachtszeit war noch ordentlich. Danach war der Rückgang massiv. Ich würde schätzen, dass die Anzahl unserer Spender um etwa 80 Prozent zurückgegangen ist.

SPIEGEL ONLINE: Worauf führen Sie das zurück?

Isler: Es gibt ein Narrativ, es ist Teil eines vergifteten Diskurses: Schiffe werden blockiert, gegen Flüchtlingsretter wird ermittelt, wir dürfen nicht in die Häfen. Da bleibt etwas Negatives hängen, als würden wir Illegales tun.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen also auch Äußerungen und Aktionen wie die von Salvini für die wenigen Spenden verantwortlich?

Isler: Natürlich. Wenn wir ständig mit Dreck beschmissen werden, muss man sich nicht wundern, wenn etwas hängen bleibt. Warum sollten normale Bürger davon ausgehen, dass ein Minister lügt? Aber es ist auch ein Problem, dass der deutsche Außenminister oder die Kanzlerin sich nicht einmischen und uns verteidigen. Das würde helfen.

SPIEGEL ONLINE: Melden sich auch weniger Freiwillige für die Missionen?

Isler: Leider ja. Das liegt aber größtenteils daran, dass die Fahrten so unberechenbar geworden sind. Wenn wir losfahren, wissen wir inzwischen nicht mehr, welcher Hafen unser Schiff einlaufen lässt. Wir wissen nicht mal, wann wir zurückkehren. Ich spreche mit vielen arbeitenden Menschen, die in ihrem Urlaub mit uns losfahren wollen, aber die Mission nicht vernünftig planen können. Solche Probleme kannten wir bisher nicht. Bisher haben wir nach langem Suchen immer noch genug Leute gefunden. Aber sobald das nicht mehr der Fall ist, müssen wir eben seltener auslaufen.

SPIEGEL ONLINE: Haben andere private Seenotrettungsorganisationen ähnliche Probleme?

Isler: Wenn wir nicht genug Freiwillige haben, fragen wir bei den anderen privaten Seenotrettern an. Auch Organisationen wie Sea-Watch berichten, dass sie gerade weniger Freiwillige finden.

SPIEGEL ONLINE: Kann Sea-Eye die gesunkene Spendenbereitschaft ausgleichen oder stehen die Rettungsmissionen vor dem Aus?

Isler: Wir kennen schlechte Phasen. Als Thomas de Maizière uns einst vorgeworfen hat, mit Schleppern zu kooperieren, haben wir wochenlang keine Spenden bekommen. Momentan können wir die fehlenden Spenden durch einige wenige Großspender sehr gut ausgleichen. Wenn Kardinal Marx uns allerdings nicht kürzlich 50.000 Euro gespendet hätte, hätten wir nicht auslaufen können. Ohne die Kirchen könnten wir nicht mehr retten.

Hier vollständig auf Spiegel-Online nachlesen: Klick mich

 

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