PRO ASYL fordert humanitäre Aufnahme von Iraner*innen.  (3.3.2026)

 

PRO ASYL fordert die Wiederaufnahme der humanitären Visavergabe für besonders bedrohte Menschen aus dem Iran, die aufgrund ihres Einsatzes für Demokratie und Menschenrechte ins Visier der Geheimdienste geraten sind und verfolgt werden.

Seit der Amtszeit der neuen Bundesregierung wurde keine Visumzusage mehr erteilt. In den Jahren zuvor waren es noch mehrere hundert für zum Teil schwer verletzte vom Regime verfolgte Iraner*innen. 

 

„Deutschland muss von der bestehenden rechtlichen Möglichkeit der humanitären Aufnahme Gebrauch machen und besonders bedrohten Menschen insbesondere auch aus Erstaufnahmestaaten, in die die Menschen geflüchtet sind, Schutz gewähren“, so Karl Kopp, Geschäftsführer von PRO ASYL. ”In einer sich immer weiter eskalierenden Gewaltspirale ist Humanität das Gebot der Stunde. Bundesinnenminister Dobrindt hat im vergangenen Jahr die Hürden für die humanitäre Aufnahme jedoch so hoch gesetzt, dass es derzeit für Verfolgte aus dem Iran nahezu unmöglich ist, eine solche Aufnahmezusage zu erhalten. Das Innenministerium muss die Hürden so abbauen, dass das Instrument nicht nur eine leere Hülle bleibt.”

 

Seit Monaten erleiden die Menschen im Iran immer brutalere Unterdrückung durch das Regime, mit Tausenden von Toten und über 580 vollzogenen Todesstrafen allein in den letzten zwei Monaten. Die aktuelle militärische Eskalation im Nahen Osten mit Iran im Fokus verschärft die Notlage für die Zivilbevölkerung weiter erheblich. Verfolgten, denen die Flucht in ein anderes Land gelingt, droht auch im Erstaufnahmestaat Haft oder die Abschiebung in den Iran.

 

Nach Paragraph 22 des deutschen Aufenthaltsgesetzes kann Deutschland Menschen im Ausland aus dringenden humanitären oder völkerrechtlichen Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilen, die sie zur Einreise berechtigt. Diese Regelung ermöglicht es, besonders gefährdeten Personen – auch aus Drittstaaten – schnell und unbürokratisch Schutz zu gewähren. 

 

 


 

Iraner in Deutschland

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 20. Januar 2026 veröffentlicht und am 4. März 2026 aktualisiert.

In Deutschland demonstrieren Exil-Iraner gegen die Gewalt-Eskalation im Iran, mit der das Regime gegen Proteste vorgeht. Mehrere Bundesländer haben angesichts der aktuellen Lage einen Abschiebestopp in den Iran verhängt (Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und das Saarland).

Die iranische Community in Deutschland ist eine der größten weltweit – und die größte in Europa. Rund 319.000 Personen in Deutschland haben einen iranischen Migrationshintergrund, 250.000 von ihnen sind selbst eingewandert. 161.100 iranische Staatsbürger (ohne deutsche Staatsangehörigkeit) leben in Deutschland.  

Die Geschichte der iranischen Migration nach Deutschland geht auf den Beginn des 20. Jahrhundert zurück – als regierungskritische Intellektuelle aus dem damaligen Persien Schutz in Deutschland suchten. In den folgenden Jahrzehnten führten politische Krisen wie etwa der Regierungsumsturz 1953 und später die Revolution von 1979 und der Iran-Irak Krieg zu weiteren Migrationsbewegungen nach Deutschland.

Von den etwa 161.600 iranischen Staatsbürger*innen ohne deutschen Pass haben rund 68 Prozent einen Aufenthaltstitel (rund 110.000 Personen). Als ausreisepflichtig gelten rund 11 Prozent der Iranerinnen und Iraner ohne deutschen Pass in Deutschland. Abschiebungen in den Iran finden nur vereinzelt statt: Seit 2020 wurden 114 Personen in den Iran abgeschoben.

Schutzsuchende (Personen, die in Deutschland Schutz gesucht haben inkl. abgelehnte Asylbewerber) machen rund 45 Prozent der iranischen Staatsbürger*innen in Deutschland aus (ca. 72.500 Personen, Stand: Ende 2024). Der Anteil der iranischen Asylsuchenden, die in Deutschland Schutz bekommen, ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken: von mehr als 50 Prozent auf derzeit rund 23 Prozent. Die Mehrheit der Iraner*innen in Deutschland hat einen Aufenthaltstitel aus anderen Gründen (Erwerbstätigkeit oder familiäre Gründe). Von den rund 180.000 Iraner*innen, die zwischen 2015 und 2025 einen Asylantrag in der Europäischen Union gestellt haben, hat die Hälfte (54 Prozent) den Antrag in Deutschland gestellt.

Viele Iranerinnen und Iraner haben die deutsche Staatsangehörigkeit erworben – besonders nach der Reform des Staatsbürgerschaftrechts im Jahr 2000. Insgesamt haben sich in den vergangenen 25 Jahren rund 128.000 Personen aus dem Iran einbürgern lassen. Viele Iranerinnen und Iraner haben eine doppelte Staatsangehörigkeit, denn der Iran lässt nicht zu, dass Staatsbürger ihrer Staatsbürgerschaft aufgeben.

Religiösität

Die iranische Community in Deutschland ist, verglichen mit anderen muslimisch geprägten Herkunftsländern, eher wenig religiös: So gaben laut einer Befragung 44 Prozent an, keiner Religion anzugehören, 29 Prozent sagten sie seien muslimisch, und 27 Prozent hatten eine “andere Religion”.

Integration in den Arbeitsmarkt

Iranerinnen und Iraner sind etwas besser in den Arbeitsmarkt integriert als andere Ausländer. Im Moment arbeiten 77.000 Iraner*innen in Deutschland in sozialversicherungspflichtigen Jobs und 9.000 in geringfügiger Beschäftigung. Insgesamt sind es 86.000 Beschäftigte. Die Beschäftigungsquote lag Ende 2025 bei 64,2 Prozent (Personen aus Asylherkunftsländern: 50,6 Prozent, Ausländer insgesamt: 57,8 Prozent, Deutsche: 71,1 Prozent, inklusive geringfügiger Beschäftigung).

Rund 30.000 sind arbeitssuchend, davon sind 17.000 arbeitslos (Stand: Dezember 2025). Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 16 Prozent (Asylländer: 26 Prozent, Ausländer insgesamt: 15 Prozent, Deutsche: 6 Prozent).

Das mittlere Einkommen liegt bei 2.100 Euro (Ausländer insgesamt: ca. 2.000 Euro).

Derzeit arbeiten rund 2.000 Ärzte mit iranischer Staatsangehörigkeit in Deutschland (1.994), damit liegt der Iran auf Platz 9 der häufigsten Herkunftsländer ausländischer Ärzte.

Zwei Drittel der Iraner in Deutschland haben Abitur

68 Prozent der Iraner in Deutschland haben Abitur beziehungsweise einen vergleichbaren Abschluss (zum Vergleich: Menschen mit Einwanderungsgeschichte insgesamt 61 Prozent). Nur 10 Prozent haben keinen Schulabschluss. 

Im Wintersemester 2023/2024 waren etwa 15.200 iranische Studierende (Bildungsausländer) an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Damit lag der Iran auf Platz 4 bei den Studierenden aus Nicht-EU-Ländern, hinter Indien, China und der Türkei.                                               

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