Die meisten Migranten in Deutschland und Europa stimmen demokratischen Werten wie Pressefreiheit
und Rechtsstaatlichkeit zu. Auch antidemokratische Einstellungen sind ähnlich verbreitet wie bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte.
Sonntag, 02.11.2025,
Zuwanderer in Deutschland und anderen europäischen Staaten haben laut einer Untersuchung der Universität Mannheim
ähnlich ausgeprägte demokratische Werte wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Wissenschaftler des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung stellten außerdem fest, dass die
demokratischen Überzeugungen mit der Dauer des Aufenthalts in Europa zunehmen.
Bei Menschen, die vor der Migration viele Jahre in autoritär regierten Staaten verbracht haben, seien die
Zustimmungswerte für Kernelemente der liberalen Demokratie etwas geringer als bei Menschen aus diesen Staaten, deren politische Sozialisation vorwiegend im Zielland stattfand.
Antidemokratische Einstellungen gleich hoch
Laut der Untersuchung, die im „European Journal of Political Research“ veröffentlicht wurde, lehnt eine Minderheit
aus autoritären Ländern von rund fünf Prozent demokratische Werte ab. Dieser Anteil sei vergleichbar mit den Menschen ohne Migrationshintergrund, die antidemokratische Einstellungen
vertreten.
haben die Autoren der Studie Daten des European Social Survey und des deutschen
Integrationsbarometers ausgewertet. Als Migrantinnen und Migranten im Sinne der Untersuchung wurden nur Zugewanderte betrachtet, die selbst im Ausland gelebt haben und bei denen mindestens ein
Elternteil ebenfalls außerhalb des Ziellandes geboren wurde. (dpa/mig)
FAST 9.000 Tote
Rekordzahl bei getöteten Menschen auf Fluchtrouten 23.03.2025
Viele fliehen vor Gewalt und Konflikten und suchen nach einem besseren Leben. Doch Gewalt begleitet Menschen auch auf der Fluchtroute – viele
bezahlen mit ihrem Leben, berichtet eine UN-Organisation. Noch nie sind weltweit
so viele Todesfälle unter Geflüchteten registriert worden wie im vergangenen Jahr. Nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) kamen 2024 weltweit mindestens 8.938 Menschen auf
Fluchtwegen ums Leben.
Schon im Jahr zuvor hatte die Organisation mit 8.748 Opfern einen Rekord gemeldet. Mehr als 8.000 Todesopfer habe es zuvor nur 2016
gegeben. Im Mittelmeer kamen nach IOM-Angaben im vergangenen Jahr 2.452 Menschen ums Leben und damit weniger als 2016, 2017 und 2023.
Die Erhebungen der IOM gibt es seit 2014. Seitdem gelten mehr als 74.000 Menschen als tot oder vermisst. Die Organisation geht davon
aus, dass die wahre Zahl noch deutlich höher liegt. Nicht alle Opfer würden gefunden und registriert. Die Zahl der weltweit registrierten Todesopfer steige seit fünf Jahren kontinuierlich.
Gewalt und Gefahren
„Die Tragödie der weltweit steigenden Zahl von Todesfällen unter Migrant:innen ist inakzeptabel und vermeidbar. Hinter jeder Zahl
steht ein Mensch“, sagte Ugochi Daniels, der stellvertretende Generaldirektor für Operationen der IOM. „Die Zunahme der Todesfälle in so vielen Regionen der Welt zeigt, warum wir eine
internationale, ganzheitliche Antwort brauchen, damit weitere tragische Todesfälle verhindert werden können.“
Seit 2022 seien mindestens zehn Prozent der Todesfälle auf Gewalt zurückzuführen, berichtet die IOM. Menschenschmuggler und Banden
würden Geflüchtete oft drangsalieren, um Geld zu erpressen. Andere werden von Behörden aufgegriffen und wie in Libyen unter verheerenden Bedingungen in Lagern festgehalten. Weitere sterben bei
dem Versuch, mit oft kaum seetüchtigen Booten die Küsten anderer Länder zu erreichen. (dpa/mig) Hier mehr lesen: ... Klick mich
Auf dem Wochenmarkt in Cadenberge bildete sich am Donnerstag (13. Februar) eine Menschentraube. Schüler der BBS
und interessierte Bürger waren vor Ort, um den Bundestagskandidaten im Vorfeld der Wahl Fragen zu stellen - ein neues Format im Wahlkampf.
Kurz nach neun Uhr begrüßte Ulrich Beushausen die Gäste und die Bundestagskandidaten Christoph Frauenpreiß (CDU), Christopher Jesse
(Die Grünen) und Daniel Schneider (SPD). Günter Wichert (FDP) war ebenfalls eingeladen, konnte aber nicht kommen. Unter dem Motto "Gemeinsam gegen Demokratiefeinde" organisierte die
Bürgerinitiative "Cadenberge hilft" die Informationsveranstaltung zur Bundestagswahl auf dem Wochenmarkt. Im Mittelpunkt standen die Themen Migration und Flucht.
Ulrich Beushausen, Gründer der Initiative: "Ohne Menschen aus anderen Ländern würde in Deutschland alles zusammenbrechen.
Flüchtlinge haben positive Effekte auf die Wirtschaft und sind auch eine kulturelle Bereicherung. Integration hat viele positive gesellschaftliche Auswirkungen."
Anschließend konnten die Anwesenden Fragen an die Kandidaten richten - die meisten drehten sich um die Themen Migration, Integration
in den Arbeitsmarkt, Kita und finanzielle Entlastung der Kommunen. Die Bundestagskandidaten antworteten abwechselnd.
Zusammenarbeit statt Konfrontation mit Politik
Die Idee für das neue Format kam Christa Wiese, Sprecherin der Bürgerinitiative "Cadenberge hilft", und Patrick Pawlowski,
Bürgermeister der Wingst, beim Neujahrsempfang der Reservisten. "Wir haben darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen zusammenarbeiten, um Lösungen
zu finden, die funktionieren. Daraus ist die Veranstaltung in Cadenberge entstanden. Es sollte ein Schulterschluss gegen die Demokratiefeinde sein. Ich war sehr zufrieden mit dem Verlauf",
resümierte Wiese.
Die nächste geplante Veranstaltung findet am 13. März um 17.30 Uhr im Rathaussaal Cadenberge statt. Nach der Wahl am 23. Februar
werden Koalitionsverhandlungen notwendig. "Wir wollen gemeinsam überlegen, welche Forderungen wir an die Gewählten richten wollen. Es geht also um parteiübergreifende Lösungen", erklärt die
Sprecherin der Bürgerinitiative. Die Forderungen sollen dann über den bundesweiten Zusammenschluss "Werkstatt-der-Mutigen" direkt in die Koalitionsverhandlungen eingebracht werden. Der
bundesweiten Allianz gehört auch die Bürgerinitiative aus Cadenberge an. "Wir wollen Kooperation statt Konfrontation mit der Politik. Wir müssen mehr miteinander reden", betont Christa
Wiese.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht! Viele Fragen an die Politiker wurden gestellt, auch SchülerInnen verschiedener Schulen beteiligten sich rege. Zwei
Mitarbeiterinnen des NDR waren ebenfalls zugegen und interviewten fleißig Anwesende. Verschiedenste Probleme wurden angesprochen, selbst der geplante Bau der McDonalds-Filiale in Hemmor kam zur
Sprache. Erfreulich war auch die Teilnahme der Gruppe "Omas gegen Rechts".
Sehen Sie hier weitere Fotos von der Veranstaltung
„Omas gegen Rechts“ angepöbelt
Unschöne Szenen
Von Wiebke Kramp
Hemmoor. Überwiegend
erlebten die „Omas gegen Rechts“ bei ihren Auftritten auf den Märkten in Hemmoor und Hechthausen positives Wohlwollen, erläutert Martina Kleinwächter als Teil dieser überparteilichen
Bewegung. Zuweilen gebe es zwar auch kritische Diskussionen, aber das sei auch gut. Aber, was die Gruppe am Freitag in Hemmoor auf dem Wochenmarkt erlebte, empört sie immer noch. Dort sei es
zu höchst unschönen, beunruhigenden Szenen gekommen.
.„Omas gegen Rechts“ setzen sich aktiv ein für den Abbau von Angst vor allem Fremden. Sie wollen einen Beitrag zum Schutz der Demokratie leisten, um auf die Zunahme von Faschismus, Rassismus,
Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit zu reagieren. Dafür gehen sie auf die Straße und zeigen Gesicht und Haltung. Auch die Hemmoorer Gruppe - dazu zählen übrigens auch ein paar Opas - ist
gerade jetzt im Wahlkampf präsent, um die Demokratie zu schützen. „Wir stehen auf Wochenmärkten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zu informieren, zum Nachdenken anzuregen“,
beschreibt Martina Kleinwächter das Engagement.
Das passt offensichtlich nicht jedem. Auf Freitag auf dem Wochenmarkt in Hemmoor mussten vier „Omas gegen rechts“ es sich gefallen lassen, lautstark von einem Paar mittleren Alters angepöbelt
zu werden. „Die sind uns richtig stark mit Vorwürfen angegangen, haben uns angeschrien, ja regelrecht gebrüllt“, berichtet Marita Kleinwächter erschrocken über die Heftigkeit der verbalen
Attacken. Da wurden Vorwürfe laut, sie würden Vergewaltiger von Mädchen ins Land lassen. „Die haben regelrecht getan, als seien wir es, die die Demokratie zerstörten“, empört sich die „Oma
gegen rechts“. Die Polizei und andere Oma-Gruppen seien informiert worden. Abgezogen sei die Pöbler erst, nachdem ein Mann eingeschritten war und zurückgeschimpft hatte.
„Wir lassen uns von solchen Leuten nicht einschüchtern“, betont Martina Kleinwächter im Namen der Gleichgesinnten. Sie kündigt an, dass die „Omas gegen Rechts“ weiterhin Präsenz und Haltung
in der Öffentlichkeit zeigen.
Vor 29 Jahren floh Doni Merovci aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Cuxhaven. Mehrmals sollte er abgeschoben werden. Nun
wurde er zum Helden. Er erzählt die Geschichte seines Lebens und wie sich eine ganze Stadt für sein Bleiben einsetzte.
1994 floh der damals 26-jährige Doni Merovci mit seiner Frau aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. Mehrmals sollte er abgeschoben
werden, doch Merovci hatte sich in Cuxhaven längst eine Fangemeinde aufgebaut, die alles daran setzte, dass der eingefleischte Fußballfan bleiben durfte.
"Zuerst kam ich nach Langenhagen", erinnert er sich. "Damals habe ich direkt einen Asylantrag gestellt und parallel angefangen, in einer
Drittliga-Fußballmannschaft zu spielen." Im Frühjahr 1995 kam er schließlich nach Cuxhaven. "Dort habe ich sofort versucht, Fuß zu fassen." Auch in Cuxhaven nutzte er den Fußball als Schlüssel
zur Integration. Schnell fand er Anschluss, unter anderem beim Verein Rot Weiss, der ihm bei der Wohnungssuche half. Zehn Jahre lang lebten Doni Merovci und seine Frau im Stadtteil Süderwisch.
Doch die Unsicherheit über die eigene Zukunft prägte die ersten Jahre. "Ich hatte nur eine Duldung, also den schlechtesten Aufenthaltsstatus. Ich durfte die Stadt nicht ohne Genehmigung
verlassen.
In zahlreichen Vereinen in Cuxhaven tätig gewesen
In den folgenden Jahren spielte er nicht nur für verschiedene lokale Vereine wie Rot Weiss, Eintracht, Groden und Sahlenburg, sondern
engagierte sich auch als Trainer. In Süderwisch wurde er aktives Mitglied im Förderverein "Wir in Süderwisch" und machte es sich zur ehrenamtlichen Aufgabe, die Kinder, die damals überwiegend aus
Russland, Kasachstan und Usbekistan kamen, von der Straße zu holen. "Weg von Stress, Alkohol und Drogen", erklärt er. "Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, die verschiedenen Kulturen
kennenzulernen", so Mirovci weiter. Gemeinsam mit der Lebenshilfe bot er außerdem Fußballkurse für schwerbehinderte Kinder an. "Es gibt nichts Schöneres, als anderen zu helfen."
Merovci stoppte Angreifer in der Nordersteinstraße in Cuxhaven
Heute, 30 Jahre nach seiner Flucht, haben Doni Merovci und seine Frau ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland und sind Eltern von
vier Kindern. Seinen 24-jährigen Sohn hat der Dortmund-Fan wohl so sehr mit dem Fußballfieber angesteckt, dass dieser heute als Sportwissenschaftler beim Fußballclub Sankt Pauli arbeitet.
Merovci selbst arbeitet in der Gastronomie, nachdem er lange auf eine Arbeitserlaubnis warten musste. "Ich durfte nur zwischen zwei Berufen wählen: Gastronomie und
Reinigung." Dabei hatte er in seiner Heimat eigentlich angefangen, Jura zu studieren, bis er das Studium wegen des Krieges abbrechen musste. Doch statt zu hadern, packte er an und baute sich eine
neue Existenz auf. Seit 13 Jahren arbeitet er nun im Duhner Restaurant Leuchtfeuer. Beim Quiz mit seinen Arbeitskollegen punktet er aber auch heute noch mit seinem juristischen Wissen, erzählt er
und lacht.
"Integration stand für mich immer an erster Stelle"
Arbeiten, auch neben seinen sportlichen Ehrenämtern, war dem 59-Jährigen immer besonders wichtig. "Denn wer nicht arbeitet, hat es schwer,
sich zu integrieren", sagt er. "Und Integration stand für mich immer an erster Stelle."
An Cuxhaven gebunden, wie während seiner Duldung, ist er längst nicht mehr. Dennoch bleibt Merovci der Stadt treu: "Cuxhaven wird immer in
meinem Herzen sein. Diese Stadt hat so viel für mich getan."
Das Fußballspielen hat er inzwischen aufgegeben, weil neben Beruf und Familie (und der Bundesliga) nicht mehr viel Zeit bleibe. Aber seine
Leidenschaft wird bleiben: "Wenn ich irgendwann mit der Arbeit aufhöre: Mein Herz wird immer für den Fußball schlagen."
Verantwortung übernehmen – Gewaltopfer aus Gaza aufnehmen!
Beim Flüchtlingsrat Niedersachsen haben sich in den vergangenen Tagen mehrere Menschen gemeldet, deren Angehörige im Gazastreifen leben
oder sich auch nur zu Besuch aufhalten und dringend Hilfe benötigen, aber den Gazastreifen nicht verlassen können. Mit der nachfolgenden Presseerklärung appellieren die Flüchtlingsräte
Niedersachsen und Schleswig-Holstein an Bund und Länder, sich für ein Evakuierungsprogramm zumindest für kranke und verletzte Schutzbedürftige aus dem Gazastreifen einzusetzen:
Landesflüchtlingsräte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen fordern von Bund und Ländern die Evakuierung verletzter Kriegsopfer aus
dem Gaza-Streifen.
Die geschundene Zivilbevölkerung des Gaza braucht dringend Hilfe. Neben Hilfslieferungen ist insbesondere die
umgehende Aufnahme und medizinische Versorgung von kranken und verletzten Schutzbedürftigen aus dem Gazastreifen dringend erforderlich. Die Flüchtlingsräte aus SH und Niedersachsen fordern die
Bundesregierung dazu auf, Verantwortung zu übernehmenundein Evakuierungsprogramm für verletzte Kinder,
Frauen und Männer aus dem Gaza Streifen aufzulegen.
Wir begrüßen, dass derzeit eine wachsende Zahl von israelischen Staatsbürger*innen, die dem sich möglicherweise in Israel noch
ausweitenden Konflikt entkommen wollen, in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahme und Schutz finden. Deutschland ist aber mit Blick auf die Verlängerung seiner Geschichte im Nahen Osten in
besonderer Verantwortung, gegenüber allen unschuldigen Opfern des Konflikts mit konkreter Hilfe aktiv zu werden.
Wir fordern die Bundesregierung daher auf, mit den Ländern die Aufnahme für zivile Binnenflüchtlinge und insbesondere Verwundete des
Krieges im Gaza-Streifen abzustimmen und seine Umsetzung mit den Regierungen Israels und Ägyptens zu verhandeln.
Antwort auf unsere Anfrage zur
Anerkennung des ukrainischen Führerscheines
Sehr geehrter Herr Beushausen,
wie angekündigt, sende ich Ihnen untenstehend erneut eine kurze Zusammenfassung zur Führerscheinanerkennung von Ukrainern in der Europäischen Union.
Die Kommission hat am 20. Juni eine Übergangsregelung für ukrainische Führerscheine
vorgeschlagen. Generell sollten Personen mit einem von der Ukraine ausgestellten gültigen Führerschein, denen nach nationalem Recht vorübergehender Schutz gewährt wird, ihren Führerschein
im Hoheitsgebiet der EU verwenden können, solange der vorübergehende Schutz andauert ohne ihn gegen einen EU-Führerschein umtauschen oder eine neue Fahrprüfung ablegen zu müssen. Der Vorschlag
der Kommission ist Teil des am 12. Mai vorgestellten Aktionsplan "Solidarity Lanes" (Solidaritätswege), der die Ukraine bei der Ausfuhr ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse unterstützen soll
und Teil der Solidaritätsmaßnahmen der EU mit der Ukraine ist. Unter dem folgenden Link können sie den detaillierten Vorschlag der Kommission finden:https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:52022PC0313&from=EN
Am heutigen Tag, nur zwei Wochen nach der Vorlage des Vorschlags der Europäischen Kommission, haben die Abgeordneten des Europäischen
Parlament mit überwältigender Mehrheit darauf geeinigt, das Verfahren für ukrainische Flüchtlinge zur Beibehaltung ihres Führerscheins in der EU zu vereinfachen. Demnach kann der ukrainische
Führerschein weiter benutzt werden, ohne ihn gegen einen EU-Führerschein umtauschen oder eine neue Fahrprüfung ablegen zu müssen, solange Ukrainer den vorübergehenden Schutzstatus haben. Unter
bestimmten Bedingungen können ukrainische Flüchtlinge, die als Lastwagen- und Busfahrerinnen und -fahrer gearbeitet haben, ihre in der Ukraine ausgestellten Befähigungsnachweise in der EU
anerkennen lassen, nachdem sie eine kurze Schulung und eine Prüfung absolviert haben. Dadurch können sie während der Dauer des vorübergehenden Schutzes in der EU arbeiten und bei der Ausfuhr
ukrainischer Waren mithelfen. Den vollständigen angenommenen Text finden Sie hier:
Flüchtlingsstrom aus Ukraine? Kreis Cuxhaven in der Bredouille
VON TIM FISCHER | 28.02.2022 -
KREIS CUXHAVEN. Sieben Jahre ist die große Flüchtlingskrise mittlerweile her - jetzt stellen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine den Landkreis Cuxhaven vor
Herausforderung
Wieviele Menschen durch
den Krieg in der Ukraine flüchten werden, lasse sich noch nicht genau sagen, gibt Stephanie Bachmann, Sprecherin des Landkreises Cuxhaven, bekannt. Angesichts der sich zuspitzenden Lage prüfen
Landesaufnahmebehörde, Städte und Landkreise, wo Geflüchtete unterkommen können. Auch privat wollen Menschen Unterbringungen möglich machen.
Wohnraum für Geflüchtete
Der Landkreis Cuxhaven und die kreisangehörigen Kommunen suchten schon vor Kriegsbeginn in der Ukraine Wohnraum für Geflüchtete - zum Beispiel für Ortskräfte aus Afghanistan. Nicht alle der
dem Landkreis zugewiesenen Geflüchteten hätten bisher angemessen untergebracht werden können, hieß es bereits vergangene Woche in einer Pressemitteilung des Landkreises: "Überwiegend sind es
afghanische Ortskräfte, die nach der Machtübernahme der Taliban nun Schutz in der Bundesrepublik suchen."
Bis zu zwei Millionen Menschen
Jetzt rechnet der Landkreis mit weiteren Flüchtlingen: "Wie viele aus der Ukraine zu uns kommen, können wir aber noch gar nicht sagen", ergänzt Landkreis-Sprecherin Bachmann. Nach Schätzung
des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius könnten es ein paar Hunderttausend, aber auch bis zu zwei Millionen Menschen sein. "..."
Viel Zeit bleibt nicht mehr
Die Kreis-Verwaltung sucht derzeit ebenso wie die Samtgemeinden und die Städte Cuxhaven und Geestland selbst weiteren Wohnraum zum Anmieten. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr. Die ersten
Flüchtlinge kommen bereits nach Deutschland: Es reichen ein ukrainischer Pass oder Personalausweis, damit Geflüchtete kostenlos die Fernzüge bis Berlin nutzen können, wie die Deutsche Bahn
versicherte. Nach Cuxhaven würden die Betroffenen aktuell "..." durch Familie und Freunde gelangen, so Landkreis-Sprecherin Bachmann. "Aktuell fahren die Menschen in Eigenregie an die Grenze
zur Ukraine, um Familie und Freunde abzuholen."
(Aktualisierung und Veränderung des Originalartikels durch: Ulrich Beushausen)
Erstregistrierung beim Landkreis Cuxhaven! Siehe oben!
Anmerkung: Wenn Sie Wohnraum vermieten können, melden Sie sich bitte für den Bereich der Samtgemeinde Land Hadeln direkt bei der
Samtgemeinde
Tel.: 04751-919020, Herr von der Fecht oder besser noch per E-Mail:
LAND HADELN. Jedixa Diaz aus Otterndorf ist seit Juni leidenschaftlich als Soziale Flüchtlingsbegleitung in der Samtgemeinde Land Hadeln aktiv.
Ihr Vorname leitet sich der Herkunft nach von der Urbevölkerung Chiles, den Araukanern, ab. Geboren ist Jedixa Diaz jedoch in Cuxhaven. Seit einigen Monaten übt
die junge Frau die Tätigkeit der Sozialen Flüchtlingsbegleitung in der Samtgemeinde Land Hadeln aus.
Es ist der Klassiker: Ihr Vater, ein Seemann aus Chile, legte mit seinem Schiff im Hafen von Cuxhaven an. Er ging auf Landgang, traf eine junge Cuxhavenerin,
die beiden verliebten sich und heirateten. Er entschied sich, in Deutschland zu bleiben. Noch im gleichen Jahr kam der Nachwuchs auf die Welt: Jedixa Diaz wurde im Jahr 1984 geboren. "Mein
Vater hat sich hier super integriert", sagt Jedixa Diaz. "Er hat zum Maschinenbauer umgeschult und noch 30 Jahre beim Cuxhavener Unternehmen Hebold gearbeitet."
Jedixa Diaz wuchs in Cuxhaven auf und plante, im Alter von 14 Jahren ein schulisches Austauschjahr in Chile einzulegen. "Das klappte dann leider nicht. Dennoch
bin ich für ein Jahr dort hin. So war meine Absicht", schildert sie. "Daraus wurden dann schließlich sieben Jahre", schmunzelt sie. "Während meiner Zeit in Südamerika besuchte ich eine
Wirtschaftsschule und absolvierte eine Ausbildung in Richtung Verwaltung."
Aus "nur kurz" wird "für immer"
Als sie 21 Jahre alt war, wollte Jedixa Diaz ihren Urlaub in Cuxhaven bei ihrer Familie verbringen. Aus diesem Urlaub wurde ein Bleiben für immer. Und sie
gründete ihre eigene Familie. "Mein Mann Juan ist Spanier und drei Jahre älter als ich. Wir kannten uns schon von früher. Er war ein Nachbarsjunge von mir", erzählt Jedixa Diaz. "Dann ging
ich nach Chile und ihn zog es beruflich nach Bremen", führt sie weiter aus. Als Jedixa Diaz wieder zurück in Cuxhaven war, begegneten sich die beiden zufällig wieder. Da sprang der "Funken"
über und sie heirateten im Jahr 2016. Zusätzlich zu den beiden gemeinsamen Kindern, einem fünfjährigen Sohn und einer vierjährigen Tochter, komplettiert eine 16-jährige Tochter das
Familienglück von Jedixa Diaz und ihrem Juan in Otterndorf. "In der Folge habe ich hier als Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet", berichtet sie.
Und wie kam es zu der Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe? "Schon seit drei Jahren bin ich nebenberuflich während meiner Elternzeit für die VHS in der
Flüchtlingshilfe tätig", sagt sie. "Somit kannte ich mich bereits mit Integration und Beratung aus." Dann bot sich Jedixa Diaz die Chance auf die Stelle als Soziale Flüchtlingsbegleitung.
Seit dem 2. Juni übt die 36-Jährige nun diese Tätigkeit aus. Ihr Arbeitgeber ist die Diakonie in Kooperation mit der Samtgemeinde Land Hadeln.
Ausstellungen in Hamburg
"Ich mag Kunst sehr gerne", nennt die aufgeschlossene junge Frau eines ihrer Hobbys, "da bin ich viel in Hamburg auf Ausstellungen in den Bereichen Fotografie
oder Gegenwartskunst unterwegs."
Lesen ist ebenfalls ein großes Thema in der Freizeit von Jedixa Diaz. "Philosophische Texte lese ich sehr gerne. Friedrich Nietzsche ist einer meiner
Lieblingsautoren." Sportlich betätigt sich Jedixa Diaz mit viel Spaß beim Basketball.
Und während man Jedixa Diaz zuhört, spürt man ihre Leidenschaft, die sie für eine Sache entwickelt. "Das ist mein südamerikanisches Temperament", lächelt sie
herzlich. Befristet ist ihre Stelle jedoch zunächst bis 31. Dezember 2021. "Hoffentlich geht es danach weiter", hofft Jedixa Diaz und betont, wie viel Spaß sie an ihrer Tätigkeit hat.
Beverstedt: Brandanschlag auf Unterkunft für Flüchtlinge
21.08.2020
BEVERSTEDT. Die Polizei nennt es "schwere Brandstiftung":
Die Beamten gehen davon aus, dass ein Unbekannter einen Anschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Beverstedt verübt hat.
Die Tat ereignete sich am Donnerstagabend um kurz vor Mitternacht. Gegen 23.35 Uhr bemerkten Anwohner einen brennenden Gegenstand in einem auf Kipp stehenden Fenster im Erdgeschoss einer
ehemaligen Gaststätte. In dem Gebäude in der Straße An der Bundesstraße leben derzeit Flüchtlinge und Asylbewerber sowie deutsche Staatsbürger.
Bewohner unverletzt
Durch die Hitze wurden das Fensterelement und der Rahmen beschädigt. Es kam laut Polizei zu einer größeren Rauchentwicklung. Das Feuer erlosch dann aber von selbst und breitete sich nicht
weiter aus.
Das Fenster gehört zur Wohneinheit eines 30-Jährigen. Der Mann hatte zum Zeitpunkt des Brandes geschlafen. Er konnte seine Wohnung unverletzt verlassen, teilt die Polizei mit. Die Beamten
schätzen den Sachschaden auf etwa 1000 Euro.
Die Polizeiinspektion Cuxhaven hat die Ermittlungen aufgenommen. Wer die Tat verübt hat, ist noch unklar. Auch zur Motivlage des Brandstifters kann die Polizei daher noch keine Aussage
treffen. Hinweise auf fremdenfeindliche Motive lägen nicht vor.
Zeugen gesucht
Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Zeugen wenden sich an die Polizeiinspektion Cuxhaven unter Telefon (0 47 21) 57 30 oder jede andere Polizeidienststelle.
Die Polizei sieht keine "fremdenfeindliche[n] Motive". Unterkünfte sind aber keine zufälligen Ziele
solcher Anschläge, sondern deuten auf ein Motiv: Rassismus. (U.B.)
Beschimpfen und beleidigen: Anfeindungen gegen Amtsträger nehmen auch in den Kreisen Stade und Harburg zu
Sie werden beschimpft, beleidigt und manchmal sogar bedroht: Unsere Bürgermeister sind immer häufiger Hass-Attacken ausgesetzt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anfeindungen gegenüber Amts- und Mandatsträgern stark angestiegen. Auch in den Landkreisen
Stade und Harburg sind Rathauschefs betroffen. Solche Taten seien ein „Angriff auf unsere Demokratie“, erklärte der christdemokratische Innenpolitiker Uwe Schünemann jetzt im Landtag. Die Union
will mit einer „Wertschätzungskampagne“ gegenhalten. Die Kampagne soll Teil eines „Fünf-Punkte-Plans“ sein, mit dem die CDU dem zunehmenden Trend zu verbaler und zum Teil auch physischer Gewalt gegenüber
Bürgermeistern, Bediensteten und Angehörigen von Hilfsorganisationen begegnen will. Weitere Punkte sind eine Art Selbstverpflichtung der Parlamentarier zu einem respektvollen Umgang miteinander,
die Erstellung einer „Selbstschutzfibel“ für Bürgermeister, ferner die Bereitschaft, entsprechende Übergriffe zur Anzeige zu bringen sowie diese Taten auch konsequent strafrechtlich zu verfolgen.
Die anderen Parteien signalisierten Unterstützung. Schünemann geht von jährlich rund 250 Delikten aus, die sich gegen Menschen richten, die kommunalpolitisch aktiv sind oder sich in irgendeiner Weise ehrenamtlich
engagieren, wie etwa in der Flüchtlingshilfe.
(jd/bc/kb/tk). Meist geschieht es schriftlich und anonym, in Form von Pöbel-Mails, Drohbriefen oder Hass-Postings in
den sozialen Netzwerken: Die Hetzer in unserem Land haben Hochkonjunktur. Wer ein öffentliches Amt bekleidet - egal, ob haupt- oder ehrenamtlich -, muss hierzulande inzwischen damit rechnen,
früher oder später Adressat von Hassbotschaften oder Ziel von Hetzkampagnen zu werden.
„Beleidigungen, Drohungen und tätliche Angriffe gegen Bürgermeister und Mandatsträger sind unerträglich und in keiner Weise zu rechtfertigen“, erklärte der
CDU-Innenexperte Uwe Schünemann in der Debatte. Und Innenminister Boris Pistorius (SPD) pflichtete ihm bei: „Hasskriminalität gegenüber kommunalen Mandats- und Amtsträgern, aber auch
Verwaltungsmitarbeitern, ehrenamtlichen Helfern, Rettungskräften oder Polizisten, ist nicht zu tolerieren.“ Schützenhilfe in dieser Sache kommt von den kommunalen Spitzenverbänden: „Auch in Niedersachsen wissen wir von Morddrohungen gegen ehrenamtliche Bürgermeister“,
erklärt der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), Dr. Marco Trips. Beleidigungen und Gewaltaufrufe in den sozialen Medien hätten eine völlig neue Dimension erreicht:
„Es ist erschütternd und nicht hinnehmbar, dass Menschen, die sich tagtäglich für unsere Gesellschaft einsetzen, solchen Angriffen schutzlos ausgesetzt sind“, so Trips. Der NSGB- Pressesprecher Thorsten Bullerdieck führt diese „klare Tendenz zur Verrohung der Sitten“ vor allem auf die sozialen Netzwerke zurück. Dort herrsche eine
zunehmend aufgeheizte Stimmung, so Bullerdieck. Die Folge sei schließlich, dass der Respekt vor Amtspersonen verloren gehe. Ein Blick auf einschlägige Diskussionsseiten bei Facebook und Co.
scheint diese Einschätzungen zu bestätigen: Statt sachlich zu argumentieren, wird oftmals nur Meinungsmache betrieben. Nicht selten wird Kommunalpolitikern pauschal Selbstbereicherung
vorgeworfen, ohne dafür Beweise vorzulegen. So hieß es kürzlich auf einer Facebook-Seite über Harsefeld: „Wenn es neue Wahlen gibt, sollte mal ein wenig aufgeräumt werden. So ein paar People
interessieren sich nämlich nur für ihr Geschäft und ihre Interessen und nicht für das Wohl der Bevölkerung.“
Auch in unserer Region wurden Bürgermeister, Ehrenamtliche oder Amtsträger schon bedroht. Das WOCHENBLATT fragte bei einigen nach, welche Erlebnisse sie
hatten.
Umgangston wird rauer „Sie bereichern sich persönlich, Sie kümmern sich einen Dreck um unsere Probleme“ - das sind noch die freundlichsten Anschuldigungen, die bei Buxtehudes
Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt im Mail-Postfach landen. Auch in Sitzungen der Ratsgremien würden Bürger immer öfter „einen nicht angemessenen Ton“ anschlagen. „Wir werden viel schneller
beschimpft als früher“, so Oldenburg-Schmidt. Was in den sozialen Netzwerken geschehe, nämlich Beleidigungen ohne Folgen, würde auch im persönlichen Umgang mit Kommunalpolitkern und Verwaltungsmitarbeitern
praktiziert. „Ich kann alles raushauen und das hat keine Konsequenzen“, sei eine Haltung, die zunehmend um sich greife, so Oldenburg-Schmidt. Eine Anzeige habe sie noch nicht erstattet: „Manche
Beleidigungen sollten wir einfach schnell vergessen.“
Anonyme Drohbriefe Ein dickes Fell in Sachen Beleidigungen hat sich auch der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse zugelegt: „Ich musste mir auch schon
Titulierungen wie 'Ar*** mit Ohren' anhören. In dieser Hinsicht bin ich nicht sehr empfindlich und ich sehe einfach darüber hinweg.“ Nicht darüber hinwegsehen kann Röhse in einem anderen Fall:
Die Stadt hatte eine Fläche im Ortszentrum an einen Investor verkauft, der dort Häuser mit Wohnungen u.a. für anerkannte Flüchtlinge errichten will. Dass passte einigen offenbar nicht. „Ich erhielt anonyme Drohbriefe, dass man mein Haus anzünden
will“, berichtet Röhse. Er selbst könne einiges wegstecken, doch wenn man seine Familie bedrohe, werde eine Grenze überschritten. Da es sich um „rechte, fremdenfeindliche Hetze“
gehandelt habe, sei der Staatsschutz eingeschaltet worden.
Die Autoreifen zerstochen Ähnliche Bedrohungen aus dem rechten Lager hat auch Harsefelds ehrenamtlicher Bürgermeister Michael Ospalski schon erlebt: „Als eine Gruppe von
Neonazis nachts vor unserer Asylbewerber-Unterkunft aufmarschieren wollte, habe ich die Polizei gerufen.“ Kurz darauf seien alle vier Reifen
an seinem Auto zerstochen und der Lack zerkratzt worden. Der Wagen parkte auf seiner Hauseinfahrt. Die Täter wussten also, wo Ospalski wohnt. „Ich selbst bin auch bei wüsten Beschimpfungen hart
im Nehmen, doch wenn die Familie bedroht wird, ist Schluss mit lustig.“
Besuch von Rockern
Auch Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber sieht sich in jüngster Vergangenheit immer öfter barscher Kritik über moderne Medien ausgesetzt - aufgrund der bundesweiten Berichterstattung über die
Kritik an der Straßenausbau-Beitragssatzung auch von Bürgern, die Stade im Zweifel noch nie besucht haben. Nach einem RTL-Bericht fegte ihr ein regelrechter Shitstorm ins Gesicht. Es wurde ihr
sogar Besuch von einer berüchtigten Rockergruppe angedroht.
„Amtsträger und gewählte Politiker müssen mehr Kritik als andere aushalten können. Keine Frage. Aber es gibt Grenzen, wie z.B. Bedrohungen, persönliche Beleidigungen und Kritik unterhalb der
Gürtellinie.“ Völlig unverständlich sei es ihr, wenn Wutbürger ohne eine Auseinandersetzung mit den Fakten draufhauen: „Da wird jeder verkürzten Fake-News mehr Glauben geschenkt als den Fakten“,
so Nieber.
Titel erhalten: BBS Cadenberge sind eine "Schule ohne Rassismus"
Die Berufsbildenden Schulen (BBS) Cadenberge sind eine "Schule ohne Rassismus". Die Schule bekam nun den Titel offiziell verliehen.
"Rassismus ist ein schwieriges Wort. Es fängt aber genau da an, wo die Rechte eines Menschen eingeschränkt werden", sagte Ansgar Cudok, Schulleiter der Berufsbildenden Schulen (BBS)
Cadenberge, zu Beginn seiner Rede im Rahmen der Verleihung des Titels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".
Als prominenten Paten konnte die BBS Cadenberge für dieses Projekt die Fischtown Pinguins, das Bundesliga-Eishockeyteam aus Bremerhaven, gewinnen. Das Projektteam der Schule, das maßgeblich
am Zustandekommen beteiligt war, bestand aus den Lehrern Niels Ahlff, Andreas Schaper, Elgin Getsch und Silvia Tiedemann sowie dem Schulsozialarbeiter Carsten Schlomm, der Schülerin Saskia
Hagenah und dem Schulsprecher Lars Schmidt.
CUXHAVEN. Ein Zuhörer in Uniform hat im Cuxhavener Stadtrat für Verstörung gesorgt. Der Mann sprang während der Sitzung auf, schrie herum und bepöbelte die
Politiker.
Bei dem mit Flecktarn-Anzug bekleideten Mann soll es sich um einen Bundeswehrangehörigen handeln.
Zu besagtem Zwischenfall kam es, als Ratsmitglieder am Donnerstagabend über das Thema Flüchtlinge stritten. Zu einem Papier von SPD und Grünen hatte die AfD-Ratsfraktion einen Gegenantrag
formuliert: Anstatt sich mit der Hilfsinitiative "Seebrücke" zu solidarisieren, forderte die AfD-Fraktion den Rat dazu auf, sich fortan gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Cuxhaven zu
stellen. Demonstrativ erhoben sich daraufhin einige SPD-Leute von ihren Plätzen. Als sie den Saal verlassen wollten, sprang im Zuschauerbereich ein Mann auf: "Bleiben Sie hier und hören zu!",
herrschte er die im Gehen begriffenen Ratsleute an. Ratsvorsitzende Beatrice Lohmann verwies den in Feldanzug und Kampfstiefeln auftretenden Störer des Saales. Erst als der Oberbürgermeister
aufstand und der Aufforderung Nachdruck verlieh, beugte sich der hochgewachsene Besucher dem Hausrecht. Sein Auftritt hinterließ im Plenum Fassungslosigkeit. "Ist der überhaupt von der
Bundeswehr?", lautete ein Frage, die vielen auf den Lippen lag und am Freitag offiziell beantwortet wurde. Ein Sprecher der 1. Panzerdivision aus Oldenburg erklärte gegenüber unserer Zeitung,
dass seine Dienststelle davon ausgehe, dass es sich bei dem Mann um einen Soldaten seines Verbandes handele. "Wir werden den Vorfall vollständig aufklären", betonte der Sprecher und ließ
keinen Zweifel daran, dass man die Sache ernst nehme.
Ratsvorsitzende Beatrice Lohmann (CDU) rang sichtlich um Fassung, nachdem ein in Soldatenuniform gekleideter Zwischenrufer endlich nach mehrfacher Aufforderung den Saal verlassen hatte: "Das
ist mir in meiner gesamten Zeit im Rat noch nicht passiert. Wenn wir so weit sind, dass wir hier nicht mehr frei diskutieren können, haben wir ein Sicherheitsproblem."
Fassungslosigkeit herrschte am Donnerstagabend auch in Reihen der Ratsmitglieder und Zuhörerschaft. Aber nicht nur über das aggressive Auftreten eines
Zwischenrufers, sondern auch über das, was AfD-Fraktionsvorsitzender Anton Werner Grunert und Fraktionskollege Walter Kopp zuvor inhaltlich vorgetragen hatten.
Es ging darum, ob sich die Stadt Cuxhaven dem Bündnis "Seebrücke" anschließen und bereit erklären soll, aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufzunehmen. Dafür hatten sich SPD und Grüne in
einem Antrag ausgesprochen. Bernd Jothe, Fraktionsvorsitzender der "Grünen", und Ulrike Hogrefe von der SPD hatten schon ihre Argumente vorgebracht, ebenso Thiemo Röhler von der CDU und Peter
Altenburg von den "Cuxhavenern", bevor Anton Werner Grunert zu seiner Gegenrede ansetzte, die die AfD auch als Antrag eingebracht hatte.
Vier DIN-A 4-Seiten, nachzulesen im Ratsinformationssystem der Stadt, umfasst die Antragsbegründung; Grunert zitierte Teile daraus in der Ratssitzung und
bezeichnete das Anliegen von SPD und Grünen als "größten Fehler in der deutschen Politik seit 1945". Schiffbrüchige im Mittelmeer "gerieten" seiner Auffassung nach nicht in Seenot, sondern
stiegen freiwillig in die Boote.
Schon während Grunert Fluten von "Wirtschaftsflüchtlingen", "Straßenzüge, in denen nichts mehr an Deutschland erinnere", die Explosion der Sozialsysteme
und der Kriminalität prophezeite, verließen einige Mitglieder der SPD-Fraktion aus Protest den Ratssaal, Frauen im Zuhörerraum kamen die Tränen. Die Situation eskalierte, als Walter Kopp
(AfD) zehn angebliche "Fragen eines Bürgers" vortrug, unter anderem die, ob künftig Krankheiten wie Krätze, Tbc, HIV oder Hepatitis B die deutsche Bevölkerung gefährden
würden.
Das Stichwort "Krätze", das sich auch in der Rückschau bei allen Zuhörenden eingeprägt hat, löste Empörung aus. "Das konnte ich nicht mehr aushalten",
sagt SPD-Ratsherr Andreas Wichmann. Als er aufstand, um herauszugehen, pöbelte der Mann im Zuschauerraum los. Was er genau rief, ist nur in Bruchteilen überliefert, "das Ganze war ja absolut
surreal", sagen Zeugen. "Sie bleiben hier!" hat Andreas Wichmann gehört und auch "denken Sie drüber nach, was das für Konsequenzen hat". Wichmann: "Ich habe mich bedroht
gefühlt."
Zuhörerinnen, die in der Nähe des Mannes gesessen hatten, berichteten, dass er sie mit dem Satz "Heul doch!" angefahren habe. Deutlich vernehmlich war der Satz "Ich habe fünf Freunde
verloren" und die Erwähnung des Ortes Kirkuk, ein Einsatzgebiet der Bundeswehr im Irak. Nach Informationen der Bundeswehr gehört der Mann einem Truppenverband an, dessen Mitglieder
Auslandseinsätze betreiten. Aus dem Rathaus zu Hilfe gerufene Polizeibeamte trafen den Uniformierten später vor dem Gebäude an und nahmen dessen Personalien auf.
In aufgewühlter Stimmung nahmen die Ratsmitglieder die weiteren Ausführungen Walter Kopps auf, wobei auch die Äußerung "Volksverhetzung"
fiel. Ein Antrag auf Schluss der Debatte stoppte weitere Ausführungen, bevor der Rat bei einigen Gegenstimmen den ursprünglichen Antrag und damit Cuxhavens Mitgliedschaft in
der "Seebrücke" annahm (Bericht folgt).
Beatrice Lohmann hatte am Donnerstag schon zuvor mehrfach Zuhörer zur Ordnung gerufen. "Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass der Rat frei und unbeeinflusst diskutieren kann."
Am 07.04.2018 hatte Jörg Leumann vom OHA die Gelegenheit, mit Unterstützung von Rabea Carrero – DRK Koordinierungsstelle für Flüchtlingswesen – die umfangreiche Arbeit der Initiative Offenes
Herz Altenwalde bei den Landfrauen Wanna und Umgebung vorzustellen. Für die geplante Höfetour 2018 werden sicherlich interessierte Betriebe aus der Landwirtschaft gewonnen werden können. Die
Damen zeigten sich sehr interessiert und werden mit OHA Kontakt aufnehmen. Jörg Leumann: " Das war ein toller Vormittag bei Euch! Vielen Dank!"
Beschimpfen und beleidigen: Anfeindungen gegen Amtsträger nehmen auch in den Kreisen Stade und Harburg zu
„Ich erhielt anonyme Drohbriefe, dass man mein Haus anzünden will“, berichtet Röhse. Er selbst könne einiges wegstecken, doch wenn man seine Familie
bedrohe, werde eine Grenze überschritten. Da es sich um „rechte, fremdenfeindliche Hetze“ gehandelt habe, sei der Staatsschutz eingeschaltet worden.
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Sie werden beschimpft, beleidigt und manchmal sogar bedroht: Unsere Bürgermeister sind immer häufiger Hass-Attacken ausgesetzt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anfeindungen gegenüber Amts- und Mandatsträgern stark angestiegen. Auch in den Landkreisen
Stade und Harburg sind Rathauschefs betroffen. Solche Taten seien ein „Angriff auf unsere Demokratie“, erklärte der christdemokratische Innenpolitiker Uwe Schünemann jetzt im Landtag. Die Union
will mit einer „Wertschätzungskampagne“ gegenhalten. Die Kampagne soll Teil eines „Fünf-Punkte-Plans“ sein, mit dem die CDU dem zunehmenden Trend zu verbaler und zum Teil auch physischer Gewalt gegenüber
Bürgermeistern, Bediensteten und Angehörigen von Hilfsorganisationen begegnen will. Weitere Punkte sind eine Art Selbstverpflichtung der Parlamentarier zu einem respektvollen Umgang miteinander,
die Erstellung einer „Selbstschutzfibel“ für Bürgermeister, ferner die Bereitschaft, entsprechende Übergriffe zur Anzeige zu bringen sowie diese Taten auch konsequent strafrechtlich zu verfolgen.
Die anderen Parteien signalisierten Unterstützung. Schünemann geht von jährlich rund 250 Delikten aus, die sich gegen Menschen richten, die kommunalpolitisch aktiv sind oder sich in irgendeiner Weise ehrenamtlich
engagieren, wie etwa in der Flüchtlingshilfe.
(jd/bc/kb/tk). Meist geschieht es schriftlich und anonym, in Form von Pöbel-Mails, Drohbriefen oder Hass-Postings in
den sozialen Netzwerken: Die Hetzer in unserem Land haben Hochkonjunktur. Wer ein öffentliches Amt bekleidet - egal, ob haupt- oder ehrenamtlich -, muss hierzulande inzwischen damit rechnen,
früher oder später Adressat von Hassbotschaften oder Ziel von Hetzkampagnen zu werden.
„Beleidigungen, Drohungen und tätliche Angriffe gegen Bürgermeister und Mandatsträger sind unerträglich und in keiner Weise zu rechtfertigen“, erklärte der
CDU-Innenexperte Uwe Schünemann in der Debatte. Und Innenminister Boris Pistorius (SPD) pflichtete ihm bei: „Hasskriminalität gegenüber kommunalen Mandats- und Amtsträgern, aber auch
Verwaltungsmitarbeitern, ehrenamtlichen Helfern, Rettungskräften oder Polizisten, ist nicht zu tolerieren.“ Schützenhilfe in dieser Sache kommt von den kommunalen Spitzenverbänden: „Auch in Niedersachsen wissen wir von Morddrohungen gegen ehrenamtliche Bürgermeister“,
erklärt der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), Dr. Marco Trips. Beleidigungen und Gewaltaufrufe in den sozialen Medien hätten eine völlig neue Dimension erreicht:
„Es ist erschütternd und nicht hinnehmbar, dass Menschen, die sich tagtäglich für unsere Gesellschaft einsetzen, solchen Angriffen schutzlos ausgesetzt sind“, so Trips. Der NSGB- Pressesprecher Thorsten Bullerdieck führt diese „klare Tendenz zur Verrohung der Sitten“ vor allem auf die sozialen Netzwerke zurück. Dort herrsche eine
zunehmend aufgeheizte Stimmung, so Bullerdieck. Die Folge sei schließlich, dass der Respekt vor Amtspersonen verloren gehe. Ein Blick auf einschlägige Diskussionsseiten bei Facebook und Co.
scheint diese Einschätzungen zu bestätigen: Statt sachlich zu argumentieren, wird oftmals nur Meinungsmache betrieben. Nicht selten wird Kommunalpolitikern pauschal Selbstbereicherung
vorgeworfen, ohne dafür Beweise vorzulegen. So hieß es kürzlich auf einer Facebook-Seite über Harsefeld: „Wenn es neue Wahlen gibt, sollte mal ein wenig aufgeräumt werden. So ein paar People
interessieren sich nämlich nur für ihr Geschäft und ihre Interessen und nicht für das Wohl der Bevölkerung.“
Auch in unserer Region wurden Bürgermeister, Ehrenamtliche oder Amtsträger schon bedroht. Das WOCHENBLATT fragte bei einigen nach, welche Erlebnisse sie
hatten.
Umgangston wird rauer „Sie bereichern sich persönlich, Sie kümmern sich einen Dreck um unsere Probleme“ - das sind noch die freundlichsten Anschuldigungen, die bei Buxtehudes
Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt im Mail-Postfach landen. Auch in Sitzungen der Ratsgremien würden Bürger immer öfter „einen nicht angemessenen Ton“ anschlagen. „Wir werden viel schneller
beschimpft als früher“, so Oldenburg-Schmidt. Was in den sozialen Netzwerken geschehe, nämlich Beleidigungen ohne Folgen, würde auch im persönlichen Umgang mit Kommunalpolitkern und Verwaltungsmitarbeitern
praktiziert. „Ich kann alles raushauen und das hat keine Konsequenzen“, sei eine Haltung, die zunehmend um sich greife, so Oldenburg-Schmidt. Eine Anzeige habe sie noch nicht erstattet: „Manche
Beleidigungen sollten wir einfach schnell vergessen.“
Anonyme Drohbriefe Ein dickes Fell in Sachen Beleidigungen hat sich auch der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse zugelegt: „Ich musste mir auch schon
Titulierungen wie 'Ar*** mit Ohren' anhören. In dieser Hinsicht bin ich nicht sehr empfindlich und ich sehe einfach darüber hinweg.“ Nicht darüber hinwegsehen kann Röhse in einem anderen Fall:
Die Stadt hatte eine Fläche im Ortszentrum an einen Investor verkauft, der dort Häuser mit Wohnungen u.a. für anerkannte Flüchtlinge errichten will. Dass passte einigen offenbar nicht. „Ich erhielt anonyme Drohbriefe, dass man mein Haus anzünden
will“, berichtet Röhse. Er selbst könne einiges wegstecken, doch wenn man seine Familie bedrohe, werde eine Grenze überschritten. Da es sich um „rechte, fremdenfeindliche Hetze“
gehandelt habe, sei der Staatsschutz eingeschaltet worden.
Die Autoreifen zerstochen Ähnliche Bedrohungen aus dem rechten Lager hat auch Harsefelds ehrenamtlicher Bürgermeister Michael Ospalski schon erlebt: „Als eine Gruppe von
Neonazis nachts vor unserer Asylbewerber-Unterkunft aufmarschieren wollte, habe ich die Polizei gerufen.“ Kurz darauf seien alle vier Reifen
an seinem Auto zerstochen und der Lack zerkratzt worden. Der Wagen parkte auf seiner Hauseinfahrt. Die Täter wussten also, wo Ospalski wohnt. „Ich selbst bin auch bei wüsten Beschimpfungen hart
im Nehmen, doch wenn die Familie bedroht wird, ist Schluss mit lustig.“
Besuch von Rockern Auch Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber sieht sich in jüngster Vergangenheit immer öfter barscher Kritik über moderne Medien ausgesetzt - aufgrund der
bundesweiten Berichterstattung über die Kritik an der Straßenausbau-Beitragssatzung auch von Bürgern, die Stade im Zweifel noch nie besucht haben. Nach einem RTL-Bericht fegte ihr ein
regelrechter Shitstorm ins Gesicht. Es wurde ihr sogar Besuch von einer berüchtigten Rockergruppe angedroht. „Amtsträger und gewählte Politiker müssen mehr Kritik als andere aushalten können. Keine Frage. Aber es gibt Grenzen, wie z.B. Bedrohungen, persönliche
Beleidigungen und Kritik unterhalb der Gürtellinie.“ Völlig unverständlich sei es ihr, wenn Wutbürger ohne eine Auseinandersetzung mit den Fakten draufhauen: „Da wird jeder verkürzten Fake-News
mehr Glauben geschenkt als den Fakten“, so Nieber.
CSU und Freie Wähler wählen AfD-Kandidaten zu Verfassungsrichtern
Die AfD wird vom Verfassungsschutz beobachtet - und darf gleichwohl zwei ehrenamtliche Verfassungsrichter stellen? Was paradox klingt, wurde im Bayerischen Landtag
mit den Stimmen der CSU und Freie Wähler durchgewunken. Grüne und SPD votierten dagegen.Donnerstag, 25.01.2024
Trotz massiver Vorbehalte gegen von der AfD benannte Kandidaten hat der Landtag 15 ehrenamtliche Mitglieder des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs gewählt. Für die
Wahl, die eigentlich eine Formalie ist, hatten alle Fraktionen das Recht, Kandidaten zu benennen. Abgestimmt werden musste im Block. Nach längeren Diskussionen stimmten am Mittwoch CSU und Freie
Wähler für die Liste, auf der auch zwei AfD-Kandidaten plus zwei Stellvertreter stehen – letztlich aus rechtlichen Erwägungen. Die AfD stimmte ebenfalls dafür, Grüne und SPD votierten dagegen mit
Nein.
Ausschlaggebend für die Zustimmung von CSU und Freien Wählern zu der einheitlichen Vorschlagsliste war die Sorge vor Rechtsunsicherheiten bei fehlenden Richtern und
damit letztlich die Sorge darum, die Arbeitsfähigkeit des höchsten bayerischen Gerichts zu erhalten.
CSU zeigt sich alternativlos
„Wir müssen die Regeln, die wir uns selbst gegeben haben und die sich von heute auf morgen auch nicht ändern lassen, einhalten“, sagte der parlamentarische
Geschäftsführer der CSU, Michael Hofmann, im Namen auch der Freien Wähler. „Das Ergebnis gefällt uns nicht. Aber wir können es uns nicht erlauben, dass die Menschen in Bayern zweifeln an der
ordnungsgemäßen Rechtsprechung in Bayern oder gar das Vertrauen in den Bayerischen Verfassungsgerichtshof als Verfassungsorgan verlieren.“ Eine Verfassungs- oder Rechtsprechungskrise sei wirklich
das Letzte, was man in dieser Zeit brauchen könne.
Dagegen spricht: Ehrenamtlichen Richtern kommt in der täglichen Praxis keine gewichtige Bedeutung zu. Eine gegenteilige Abstimmung hätte wohl kaum eine Justizkrise
ausgelöst.
Hofmann kündigte aber an, die Koalition wolle eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen anstoßen. „Demokratie muss wehrhaft bleiben und Regeln ändern, wenn sie
missbraucht werden können“, sagte der CSU-Politiker.
Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Hans-Joachim Heßler, hatte dem Vernehmen nach in einem Schreiben an den Landtag vor „schwerwiegenden
verfassungsrechtlichen Unsicherheiten“ gewarnt, sollte der Landtag von der bisherigen Wahl-Praxis abrücken. Tatsächlich hätte das Gericht dann einen Weg finden müssen, mit zwei vakanten Stellen
oder einem Verzicht auf die gesamte Wahl umzugehen. Alle Wege wären laut Heßler mit deutlichen Risiken verbunden gewesen.
Zu Beginn der vergangenen Legislaturperiode 2018 waren die beiden von der AfD benannten Kandidaten geräuschlos gewählt worden. Eine Änderung der gesetzlichen
Grundlagen für die Wahl der ehrenamtlichen Richter blieb in den darauffolgenden Jahren aus.